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Wiederkehrende auffällige Pap-Befunde lösen bei Frauen große Ängste aus

Ein auffälliges Pap-Test-Ergebnis im Zuge der Krebsvorsorge ist eigentlich kein Grund zur Angst – es bedeutet nicht gleich, dass die Frau wirklich Krebs hat. Wiederholte Auffälligkeiten stellen für Frauen aber eine große mentale Belastung dar – einige zeigen dadurch sogar Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Viele Frauen haben Angst, an Gebärmutterhalskrebs zu sterben
Viele Frauen haben Angst, an Gebärmutterhalskrebs zu sterben
© Unsplash/ _Mxsh_

Auffälliges Pap-Ergebnis: Frauen warten oft über ein Jahr

Wenn der Pap-Test im Zuge der Gebärmutterhalskrebsvorsorge auffällig ist, wird das Ergebnis meistens über einige Zeit weiter beobachtet und mehrere Tests durchgeführt. Je nach Stufe des Pap-Grades wird der Test außerdem in einem Abstand von drei Monaten bis einem Jahr wiederholt – oder es wird ein HPV-Test durchgeführt. Genannt wird das ‚kontrolliertes Zuwarten‘ – hier wird erst gewartet, ob die Auffälligkeit beim nächsten Test noch immer da ist. Die Testergebnisse werden also regelmäßig kontrolliert, eine Behandlung wird allerdings erst bei Veränderungen oder beginnenden Symptomen eingeleitet.

Studie: Große psychische Belastung durch auffällige Pap-Befunde

Das kontrollierte Zuwarten bedeutet für die betroffene Frau: abwarten. Diese unklare Situation kann sich stark auf die Psyche auswirken. Eine aktuelle Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Archives of Gynecology and Obstetrics veröffentlicht wurde, hat 3.753 Frauen zu den Belastungen nach einem auffälligen Ergebnis befragt.

Mehr als die Hälfte der Befragten hatte zwischen zwei und fünf auffällige Pap-Ergebnisse hintereinander und wurde damit über ein Jahr untersucht. „Das kontrollierte Zuwarten kann sich somit über einen sehr langen Zeitraum ziehen, was bedeutet, dass die betroffenen Frauen über eben diesen Zeitraum einer psychischen Belastung ausgesetzt sind“, heißt es in der Pressemeldung der oncgnostics GmbH.

Mehrere auffällige Pap-Befunde führen zu großen Ängsten

Das lange Warten gib Frauen viel Zeit, nachzudenken und gegebenenfalls Ängste zu entwickeln. 70 Prozent der befragten Frauen war nach wiederkehrenden auffälligen Ergebnissen ziemlich bis sehr stark besorgt, an Krebs zu erkranken. Die Forscher vermuten hier, dass die Art der Kommunikation mit dem Arzt wahrscheinlich ausschlaggebend ist. Nach dem kurzen Arztgespräch bleibt bei der Frau nur das Wort „Krebs“ im Kopf.

Mehr als jede Dritte Befragte hatte sogar Angst, an Gebärmutterhalskrebs sterben zu können.

Noch größere Ängste bei auffälligen HPV-Tests

Noch größer sind die Ängste nach einem positiven HPV-Test. Drei Viertel der Frauen war ‚ziemlich‘ und ein Drittel ‚sehr stark‘ belastet durch das Ergebnis. Interessant hierbei: Die meisten HPV-Infektionen heilen wieder ab und führen nicht zu Gebärmutterhalskrebs. Laut dem Krebsinformationsdienst erkrankt weniger als eine von 100 Infizierten später wirklich an Gebärmutterhalskrebs.

Ängst nach mehreren Pap-Befunden

© oncgnostics GmbH

Welche Auswirkungen haben die psychischen Belastungen?

Die unklare Situation und lange Wartungszeit können sich stark auf das Leben der Frauen auswirken. Die Forscher nennen zwei große Punkte:

1. Familienplanung

Bei Frauen mit Kinderwunsch führen auffällige Befunde zu höheren Belastungen. Bei etwa jeder dritten befragten Frau haben die Befunde starke Auswirkungen auf die Familienplanung.

Übrigens wurden die Frauen auch zur Konisation befragt. Dabei werden Gewebeveränderungen in der Gebärmutter in einem Eingriff entfernt. Die Konisation geht mit einem erhöhten Früh- und Fehlgeburtenrisiko einher. Das ist den Frauen auch bewusst – fast jede zweite Frau belastet dieses mögliche Risiko ‚deutlich‘ oder ‚stark‘.

Auswirkungen auf die Familienplanung

© oncgnostics GmbH

2. Posttraumatische Belastungsstörung

Bei etwa 27 Prozent der Befragten waren die Belastung ‚sehr stark‘. So können so stark werden, dass sich erste Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen. Bei knapp einem Drittel der Frauen konnten solche Anzeichen gefunden werden.

Was muss getan werden?

In einem Statement erklärt Co-Autorin der Studie Dr. Martina Schmitz, dass die Kassen- und Gesundheitspolitik für die Probleme der Frauen sensibilisiert werden muss:

„Zwei Schlüsse lassen sich daraus besonders ziehen: (1) Es bedarf viel mehr Aufklärung, was auffällige Befunde bzw. ein positiver HPV-Test wirklich bedeuten; (2) wir brauchen eine wesentlich bessere, genauere Diagnostik, um diese psychische Belastung durch unklare Befunde erst gar nicht entstehen zu lassen.“

Quellen