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Biopsie der Brust: Diagnoseverfahren bei Tumorverdacht

Was passiert, wenn eine Frau einen Knoten in der Brust entdeckt? Eine Gewebeuntersuchung durch eine Brust-Biopsie kann Klarheit verschaffen. Wann die Bioposie gemacht wird und, wie lange du auf die Ergebnisse warten musst, liest du hier.

Wie wird eine Biopsie der Brust durchgeführt?
Wie wird eine Biopsie der Brust durchgeführt?
© Bigstock/ Chinnapong

Werden beim eigenen Abtasten oder bei einer gynäkologischen Routineuntersuchung Knoten in der Brust entdeckt, kommen Mammographie und Ultraschall zum Einsatz. Im Allgemeinen kann danach eine verlässliche Aussage getroffen werden, ob ein bösartiger Tumor vorliegt. Besteht jedoch weiterhin Unklarheit, muss Gewebe entnommen und im Labor unter dem Mikroskop untersucht werden.

Die Entnahme der Gewebeprobe aus der Brust – im Medizinerjargon Biopsie genannt – erfolgt in der Regel mit minimal-invasiven Methoden, eine operative Biopsie ist nur in sehr seltenen Fällen notwendig.

Stanzbiopsie bei Brustkrebsverdacht

Zur Abklärung von tastbaren oder in der Sonografie gut sichtbaren Veränderungen in der Brust ist die sogenannte Stanzbiopsie üblich. Dabei wird eine Spezialnadel mit Hochgeschwindigkeit in den verdächtigen Bereich eingeführt, um mehrere Zylinder von zusammenhängendem Gewebe herauszustanzen. Für eine exakte Treffsicherheit werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgenstrahlen eingesetzt.

Der Eingriff wird in der Regel ambulant in einer spezialisierten Praxis oder Klinikambulanz vorgenommen. Vor der Stanzbiopsie erfolgt eine lokale Betäubung der betreffenden Hautstellen. Zusammen mit der hohen Geschwindigkeit der Stanze entstehen deshalb meist keine Schmerzen. Das Risiko von Blutungen und Infektionen gilt als gering.  Nach der Biopsie kann die Brust für einige Tage leicht druckempfindlich sein. Die Wunde wird nicht vernäht, bis zur Abheilung sollte sie nicht nass werden oder mit Seife in Kontakt kommen.

Vakuumbiopsie bei Mikrokalk

Mithilfe der computergesteuerten Vakuumbiopsie lässt sich mehr Gewebe als mit der Stanzbiopsie entnehmen. Das Verfahren ist bei Brustkrebsverdacht dann geraten, wenn auf den Mammographie-Aufnahmen Mikrokalk sichtbar ist.

Wie auch die Stanzbiopsie wird eine Vakuumbiopsie meist ambulant durchgeführt. Nach örtlicher Betäubung der Haut steuert die Biopsienadel die betroffene Stelle mittels eines Computers an. Das Gewebe wird unter Unterdruck in die Nadel gesaugt und nach außen transportiert. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, um die ausreichende Anzahl an Gewebeproben zu entnehmen.

Biopsie-Ergebnisse: Wann liegt der Befund vor?

Zur Abklärung eines Krebsverdachts liegen die Ergebnisse der Brust-Biopsie meist nach wenigen Tagen vor. Muss die Gewebeprobe zur Untersuchung eingeschickt werden, kann der Befund etwas länger dauern.

Mit mehreren Wochen ist zu rechnen, falls das entnommene Gewebe von einem spezialisierten Labor mit besonders viel Erfahrung, einem sogenannten Referenzlabor, untersucht werden muss oder bei einer nicht eindeutigen Diagnose ein zweites Referenzlabor zur Beurteilung angefragt wird.

Tumorverschleppung durch Biopsie?

Die Befürchtung von Patienten, dass durch die Entnahme des Gewebes Tumorzellen an andere Körperstellen verschleppt werden und sich dort ansiedeln können, stellt nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen bei Brustkrebs kein Risiko dar.

Neue Forschungsansätze: Alternativen zur Brust-Biopsie?

Die Entnahme und Untersuchung des betroffenen Gewebes galt in der Medizin lange Zeit als das einzige Verfahren, um bei Brustkrebs in denjenigen Fällen eine verlässliche Diagnose zu stellen, in denen eine Mammographie keinen eindeutigen Befund zulässt, ob ein gutartiger oder bösartiger Tumor vorliegt. Wegen des Verdachts auf Brustkrebs unterziehen sich deshalb jährlich knapp 35.000 Frauen in Deutschland einer Biopsie.

Vor dem Hintergrund, dass es sich lediglich in rund 17.000 Fällen um einen bösartigen Tumor handelt, arbeiten Radiologen am deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg in Kooperation mit niedergelassenen Kollegen an alternativen Methoden, um betroffenen Frauen eine Biopsie und die damit einhergehende psychische Belastung zu ersparen. Für die dafür initiierte Studie wurde die diffusionsgewichtete Magnetresonanz-Tomographie optimiert, die in Kombination mit intelligenten Bildanalyseverfahren zuverlässige Aussagen über bösartige Tumoren treffen soll.

Erste Zwischenergebnisse der optimierten Brust-MRT waren erfolgversprechend: Mit dem neuen Verfahren ließen sich mehr als 90 Prozent der auffälligen Befunde richtig klassifizieren, eine deutliche Steigerung der bisherigen Rate von 50 Prozent nach Mammographie und anschließendem Ultraschall. Eine Biopsie wäre somit nur noch dann notwendig, wenn nach der optimierten Magnetresonanz-Tomographie ein positiver Brustkrebs-Befund wahrscheinlich ist. Sollten sich die positiven Ergebnisse im weiteren Verlauf bestätigen, sind noch größere Studien erforderlich, um das neue Verfahren routinemäßig einzuführen.

Fokussiertes AB-MRT bei dichtem Brustgewebe

Ein weiterer Ansatz, der ebenfalls auf MRT-Technologie in Kombination mit modernen Bildanalyse-Methoden basiert, soll die Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen mit dichtem Brustgewebe erleichtern. Dichtes Drüsengewebe stellt nämlich nicht nur ein erhöhtes Brustkrebsrisiko dar, sondern erschwert auch die Erkennbarkeit bösartiger Tumore. Laut den Ergebnissen einer groß angelegten Studie werden durch das sogenannte fokussierte AB-MRT erheblich mehr Karzinome sichtbar als bei der digitalen Mammographie.

Die modernen Screening-Methoden lassen sowohl bei der Diagnose von Brustkrebs wie auch diverser anderer Krebsarten darauf hoffen, die Zahl an notwendigen Biopsien in absehbarer Zeit erheblich einschränken zu können. Das würde nicht nur eine schnellere Therapierung ermöglichen, sondern auch die enorme psychische Anspannung, die eine Biopsie mit sich bringt, vermeiden.

Quellen