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Chlamydien – verbreitet, verkannt, verhängnisvoll

Wer Sex hat, hat sicherlich auch schon von den verschiedensten sexuell übertragbaren Infektionen kurz STI (Sexual Trasmitted Disease) gehört. Doch während viele der anderen STI sich unangenehm bemerkbar machen, hat etwa die Hälfte aller von Chlamydien Betroffenen keinerlei Symptome – und gibt die Infektion munter weiter.

Da wundert es nicht, dass Chlamydien zu den häufigsten STI in Deutschland und rund um die Welt gehören. Dabei sind Diagnose und Behandlung fast ein Spaziergang gegenüber den möglichen Risiken.

Die sexuell übertragbare Infektion kann jeden treffen und birgt gesundheitliche Risiken
Die sexuell übertragbare Infektion kann jeden treffen und birgt gesundheitliche Risiken
© Bigstock/ Sosiukin

Chlamydien – unwillkommene Bakterien

Chlamydien heißen eigentlich Chlamydia Trachomatis und sind Bakterien der Familie Chlamydiaceae.

Anstecken kann man sich durch den Schleimhaut-zu-Schleimhaut-Kontakt, wie er zumeist bei sexuellen Praktiken vorliegt. Das heißt, du kannst dich über analen, vaginalen und oralen Sex sowie durch das Teilen von Sexspielzeug mit einer infizierten Person selbst anstecken. Daher ist der beste Schutz vor einer Ansteckung mit STI beim Sex ein Kondom und beim Oralverkehr ein Lecktuch.

Nicht sicher ist, ob du dich durch das Aneinanderreiben von Genitalien oder durch Scheiden- beziehungsweise Spermaflüssigkeit an den Fingern, die wiederum deine Genitalien berühren, anstecken kannst. Sicher ist jedoch, dass du dich nicht über eine Toilette, Handtücher, Küssen, Umarmen, gemeinsames Baden, im Schwimmbad, gemeinsames Geschirr, Besteck oder Ähnliches infizieren kannst.

Eine Chlamydien-Infektion heilt von selbst nicht ab, sprich du bist hochansteckend und infizierst alle anderen durch ungeschützten Sex. Zudem können schwangere Betroffene es bei der Geburt auf das Baby übertragen. Daher werden Schwangere grundsätzlich auf Chlamydien getestet.

Bleiben Chlamydien unbehandelt, kann das gesundheitliche Folgen haben, z. B.:

  • Beschädigung der inneren Fortpflanzungsorgane
  • Unfruchtbarkeit
  • Chronische Schmerzen im Bauchraum
  • Prostataentzündungen
  • Nebenhodenentzündungen
  • Harnröhrenverengungen
  • Selten treten Gelenk- oder Leberentzündungen auf

Unbemerkter Gast

Durch den Übertragungsweg beim ungeschützten Sex befallen die lästigen Bakterien zumeist Zellen im Gebärmutterhals, Harnröhre, Enddarm, After, aber auch im Rachen und in den Augen. Dort verweilen sie oftmals unbemerkt, manchmal zeigen sich Symptome erst nach Wochen oder gar nach Monaten.

Das macht diese STI so unberechenbar, denn über die Hälfte der Betroffenen zeigt nach Aussage von Medizinern gar keine Symptome. Falls doch Symptome auftreten, hängen diese vom Infektionsort ab und sind zumeist folgende Beschwerden:

Menschen mit Uterus

Menschen mit Penis/Hoden

  • Weißlicher Ausfluss aus dem Penis
  • Schmerzhafte Schwellung der Hoden

Alle

  • Schmerzen beim Urinieren
  • Dumpfer Schmerz im Darm
  • Ausfluss aus dem Anus
  • Juckreiz am Anus
  • Irritationen im Auge
  • Viel Tränenflüssigkeit
  • Bindehautentzündung

Soll ich mich testen lassen?

Du leidest an keinerlei Beschwerden und fragst dich jetzt, wie du überhaupt wissen sollst, ob du vielleicht Chlamydien hast oder nicht? Zur Einschätzung helfen die folgenden Fragen:

  • Hast oder hattest du ungeschützten Sex?
  • Hat einer deiner Geschlechtspartner/innen ungeschützten Sex mit weiteren Personen?
  • Wurden bei einer gynäkologischen Untersuchung Auffälligkeiten, wie etwa Entzündungen am Gebärmutterhals oder Ausfluss festgestellt?
  • Wann hattest du deinen letzten Test auf Chlamydien?

Spätestens, wenn eine der Personen, mit denen du Sex hattest, selbst Zweifel bekommt, ob er oder sie vielleicht Chlamydien hat, solltest du dich testen lassen.

Diagnose Chlamydien – so läuft es ab

Du willst Sicherheit haben und möchtest dich auf Chlamydien testen lassen. Wenn du Anzeichen hattest oder weißt, dass du mit einer infizierten Person ungeschützten Sex hattest, wird diese Untersuchung von deiner Krankenkasse übernommen, ansonsten zahlst du das aus eigener Tasche. Eine besondere Regelung gibt es für Frauen bis einschließlich 24 Jahren, die sexuell aktiv sind. Diese bekommen einmal jährlich kostenlos ein Chlamydien-Screening durch eine Urinuntersuchung. Sprich dazu am besten deinen Frauenarzt/ärztin an.

Zum STI-Test gibt es einige Anlaufstellen, die dich kompetent beraten, testen und dir im Anschluss zur Seite stehen können:

  • Gynäkologische Praxen
  • Urologische Praxen
  • Dermatologische Praxen
  • Gesundheitsamt
  • Hausärztliche Praxen

Vor Ort wird durch einen Urintest oder einen Abstrich der Schleimhaut festgestellt, ob du tatsächlich mit Chlamydien infiziert bist. Übrigens: Es gibt zwar auch Chlamydien-Tests für Zuhause, aber diese sind nicht 100 % sicher, da es zu Fehlern und Problemen bei der Anwendung kommen kann, die das Ergebnis verfälschen. Nutz daher lieber das Angebot durch Fachpraxen. Hier hast du dann auch gleich eine kompetente Beratung und Fachleute, die dir im Falle einer Infektion weiterhelfen können.

Positiv getestet – was jetzt?

Dein Textergebnis ist positiv, aber das ist erst mal kein Grund für Panik, denn Chlamydien lassen sich je nach Stadium relativ einfach und gut behandeln. Hierzu bekommst du Antibiotika verschrieben. Dieses musst du genau nach Anweisung einnehmen, egal ob mögliche Beschwerden bereits früher verschwinden. Solltest du bereits länger an Chlamydien leiden, wird die Behandlung durch individuelle Therapiemaßnahmen ergänzt.

Da Chlamydien sehr schnell und einfach übertragen werden können, solltest du während der Behandlung auf Sex – auch geschützten – verzichten. Frage am besten in deiner Praxis nach, ab wann du wieder Sex haben kannst. Hattest du ungeschützten Sex mit anderen Personen, musst du diesen mitteilen, dass du sie eventuell mit Chlamydien infiziert hast. In dieser Zeit solltet ihr alle keinen Sex haben, ansonsten spielt ihr mit der STI lediglich Ping-Pong.

Du siehst: Selbst, wenn du Chlamydien hast, kannst du das durch einen medizinischen Test schnell feststellen und dich dann behandeln lassen. Wenn du gerne Sex mit verschiedenen Leuten hast, hilft es tatsächlich, ein Kondom und Lecktücher zu nutzen. Bei festen Konstellationen könnt ihr auch anderweitig verhüten, wenn alle negativ auf STI getestet sind. Da ihr euch mit Chlamydien lediglich beim Sex anstecken könnt, seid ihr in diesem Punkt alle auf der sicheren Seite.

Quellen