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Endometriose: Wenn Regelbeschwerden zur Qual werden

Leiden Frauen während der Regelblutung unter unerträglichen Schmerzen und Krämpfen, halten sie das oft für normal. Tatsächlich kann hinter den quälenden Beschwerden jedoch eine chronische Erkrankung stecken, die Endometriose. Obwohl es sich um die häufigste gutartige Erkrankung von Frauen im gebärfähigen Alter handelt, werden die Symptome oft verharmlost und eine Endometriose erst nach Jahren diagnostiziert.

Infos zur Endometriose sowie Hilfestellen für Betroffene
Infos zur Endometriose sowie Hilfestellen für Betroffene
© Pexels/ Engin Akyurt

In diesem Artikel:

Schätzungen zufolge haben zwischen 40 und 60 Prozent aller Frauen mit starken schmerzhaften Monatsblutungen Endometriose. Bei Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, beträgt die Betroffenenrate vermutlich 20 bis 30 Prozent.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine chronische, aber gutartige Erkrankung. Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, wächst in der ersten Zyklushälfte außerhalb der Gebärmutter und siedelt sich an Eileiter, Eierstöcken, Harnblase, in der Scheide oder am Bauchfell an. In der zweiten Zyklushälfte kann das Gewebe dieser Endometriose-Herde jedoch nicht mit der Regelblutung über die Scheide abfließen und es kommt zu Verwachsungen, Entzündungen und Zysten. Je nach deren Lokalisation kann das zu verschiedenen Beschwerden führen.

Symptome bei Endometriose

Endometriose kann sich auf vielfältige Arten bemerkbar machen, die nicht zwangsläufig vom Schweregrad der Erkrankung abhängen. Ein typisches Anzeichen bei fast allen Betroffenen sind starke Schmerzen im Unterbauch, die teilweise in Rücken und Beine ausstrahlen.

Häufige Symptome sind zudem

  • starke und unregelmäßige Monatsblutungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • Blut im Urin und Darmblutungen

Zusätzlich klagen Frauen über Müdigkeit und Erschöpfung, Stimmungsschwankungen und ein schwaches Immunsystem. In den meisten Fällen sind die Beschwerden abhängig vom Zyklus und setzen ca. zwei Tage vor der Regelblutung ein. Mit nachlassender Menstruation nehmen sie ab oder verschwinden vollständig, können je nach Lage der Endometriose-Herde jedoch auch kontinuierlich bestehen.

Diagnose

Aufgrund der vielfältigen Beschwerden, die von verschiedensten Erkrankungen ausgelöst werden könnten, dauert es oft Jahre, bis eine Endometriose diagnostiziert wird. Zudem suchen Frauen meist erst bei erheblichen Schmerzen ärztliche Hilfe.

Bei Verdacht auf Endometriose werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • eingehendes Gespräch zu Schmerzsymptomatik und Allgemeinzustand der Patientin (Anamnese)
  • allgemeine gynäkologische Untersuchung mit Tast- und Sichtuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung

Für eine verlässliche Diagnose der Endometriose ist häufig eine Bauchspiegelung notwendig. Bei dem operativen Eingriff wird eine Gewebeprobe zur Untersuchung entnommen, zudem lassen sich Lage, Wachstum und Schweregrad der Endometriose-Herde und Zysten feststellen.

Verschiedene Behandlungsmethoden

Endometriose ist nicht heilbar, es gibt aber verschiedene Therapien zur vorübergehenden oder dauerhaften Linderung der Symptome. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Lokalisation und Schweregrad der Endometriose-Herde ab – sowie der persönlichen Situation der Patientin.

  • Eine medikamentöse Schmerztherapie ist nur zur Überbrückung in Notsituationen hilfreich. Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann Leber und Nieren schädigen, zudem wirken die Medikamente bei chronischen Schmerzen häufig ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr.
  • Hormontherapien können Endometriose-Herde ruhigstellen und damit Schmerzen lindern. Nach Beendigung der Behandlung kann die Endometriose jedoch wieder auftreten. Da die körpereigene Hormonproduktion unterdrückt wird, sind hormonelle Präparate zumindest für Frauen mit Kinderwunsch nicht geeignet.
  • Zur Entfernung von Endometriose-Gewebe und damit einer Unterdrückung der Erkrankung kann der Arzt zu einer Operation raten. Diese erfolgt meist mittels Bauchspiegelung. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium und bei Schmerzpatientinnen wird daran zuweilen eine befristete medikamentöse Therapie angeschlossen.

Als Ergänzung oder Ersatz schulmedizinischer Behandlungen haben betroffene Frauen zum Teil positive Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden wie Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie oder TCM gemacht. Weitere Bausteine der ganzheitlichen Therapie können die Umstellung der Ernährung, moderater Ausdauersport und bewusste Entspannung sein.

Endometriose und Kinderwunsch

Bei Frauen, die beschwerdefrei sind oder unter leichten Beschwerden leiden, wird Endometriose häufig erst bei Untersuchungen wegen ungewollter Kinderlosigkeit festgestellt. Ursache der Unfruchtbarkeit können unter anderem Verklebungen im Unterbauch sein, die zu einem Verschluss der Eileiter führen.

Mehrere Studien deuten an, dass eine Bauchspiegelung zur Entfernung von Endometriose-Herden und Zysten die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen kann. Zudem kann die Sterilität mit Hormonpräparaten zur Unterstützung der Eireifung behandelt werden. Im Falle einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) ist die Aussicht auf Erfolg etwas geringer als bei Frauen ohne Endometriose.

Psychische Folgen

Betroffene Frauen leiden nicht nur an körperlichen Beschwerden, die Erkrankung hat oft auch weitreichende psychische Auswirkungen. Starke Schmerzen und mangelnde Akzeptanz im persönlichen Umfeld führen zu Stress und sozialer Isolation. Befragungen zufolge haben rund die Hälfte der Frauen unter anderem wegen häufiger Fehlzeiten Probleme am Arbeitsplatz. Ebenso viele führen Schwierigkeiten in der Partnerschaft an.

Durch das Zusammenspiel körperlicher und seelischer Faktoren kann sich der Allgemeinzustand der Patientin weiter verschlechtern und in der Folge psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen hervorrufen.

Hilfe und Anlaufstellen für Betroffene

Seit einigen Jahren machen sich verschiedene Institutionen und Vereine für eine ausführliche Information und Akzeptanz der Erkrankung Endometriose stark, geben Betroffenen hilfreiche Tipps für ein erfolgreiches Gespräch mit dem Arzt an die Hand, zertifizieren Kliniken und Praxen als Endometriose-Zentren und stellen kostenfrei ausführliches Informationsmaterial für Betroffene und Angehörige bereit.

Regionale Selbsthilfegruppen und Online-Foren geben zusätzlich die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen über den Alltag mit Endometriose und Behandlungsmöglichkeiten auszutauschen.

Quellen