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Gebärmutterhalskrebs erkennen: Wie wird ein Zervixkarzinom festgestellt?

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
© Bigstock/ bee32

Wird ein Zervixkarzinom in frühen Stadien erkannt, ist Gebärmutterhalskrebs fast immer heilbar. Hier liest du, wie Gebärmutterhalskrebs ensteht und diagnostiziert wird.

Bei Gebärmutterhalskrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor, in der medizinischen Fachsprache Zervixkarzinom genannt, der sich meist aus Gewebeveränderungen am Muttermund entwickelt. Aufgrund der organisierten Programme zur Früherkennung und der daraus resultierenden rechtzeitigen Behandlung der Vorstufen tritt Gebärmutterhalskrebs in Deutschland deutlich seltener als früher auf.

Ursachen: Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs entsteht fast immer durch Humane Papillomviren (HPV), die in erster Linie beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Fast jeder sexuell aktive Mensch infiziert sich mindestens einmal im Laufe des Lebens mit den Viren.

In den meisten Fällen werden sie erfolgreich vom Immunsystem abgewehrt. Bleibt jedoch eine Infektion zurück, kann es in einigen Fällen am Gebärmutterhals zu Zellveränderungen der Schleimhaut kommen, aus denen sich Krebs entwickeln kann.

Hervorgerufen werden die Erkrankungen vor allem von einer Infektion mit den HPV-Hochrisikotypen 16 und 18. Einen wirksamen Schutz vor diesen und einigen weiteren HP-Virentypen stellt die HPV-Impfung dar.

Risikofaktoren: Welche Frauen sind eher gefährdet?

Bei einer HPV-Infektion handelt es sich in den meisten Fällen um harmlose Infektionen. Bestimmte Faktoren können das Risiko einer Erkrankung jedoch begünstigen:

  • Rauchen
  • Geschwächtes Immunsystem, z.B. durch HIV oder Medikamente, die die Immunabwehr unterdrücken
  • Verhaltensweisen, die das Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen erhöhen wie häufig wechselnde Sexualpartner und ungeschützter Geschlechtsverkehr

Die Geburt von Kindern, Störungen im Menstruationszyklus oder eine Hormonbehandlung beeinflussen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs nicht. Die Behauptung, dass die Anti-Baby-Pille Krebs auslösen könne, konnte bislang nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Verdächtige Anzeichen: Wie erkennt man, dass man Gebärmutterhalskrebs hat?

Durchschnittlich dauert es etwa zehn Jahre, bevor aus der HPV-Infektion eine Zellveränderung und weitere zehn Jahre, bis daraus Gebärmutterhalskrebs entsteht. Die Vorstufen der bösartigen Zellveränderungen rufen keine Beschwerden hervor, auch Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium verläuft im Allgemeinen ohne spürbare Symptome.

Der Tumor macht sich erst ab einer bestimmten Größe, anfänglich noch mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Müdigkeit, unregelmäßigen Blutungen oder Unterleibsschmerzen bemerkbar, die jedoch auch von Entzündungen und gutartigen Wucherungen verursacht werden können.

Warum habe ich Schmerzen?

Bei diesen Anzeichen solltest du umgehend deine Frauenarzt-Praxis aufsuchen:

  • ungewöhnliche Blutungen außerhalb der Regelblutung, z.B. in den Wechseljahren oder nach Geschlechtsverkehr
  • Regelblutungen, die länger als sieben Tage andauern
  • fleischfarbener oder übelriechender Scheidenausfluss
  • Schmerzen in Unterbauch und Becken
  • Anhaltende Rückenschmerzen ohne organische Ursache
  • Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • Lymphstau in den Beinen
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme

Lasse diese Symptome unbedingt rechtzeitig abklären! Sollte es sich tatsächlich um Gebärmutterhalskrebs handeln, bestehen umso bessere Heilungschancen, je früher der Tumor entdeckt und behandelt wird.

Auch wenn hinter den Symptomen stattdessen „nur“ Infektionen oder gutartige Erkrankungen stecken, sollte diese ebenfalls frühzeitig therapiert werden, bevor daraus ernsthafte gesundheitliche Probleme entstehen.

Diagnose: Wie stellt der Arzt Gebärmutterhalskrebs fest?

Erste Anlaufstelle bei verdächtigen Anzeichen ist der Gynäkologe. In einem ausführlichen Gespräch befragt dich der Arzt zunächst eingehend nach den Beschwerden, Krankheitsgeschichte und potenziellen Risikofaktoren.

Dabei solltest du den Arzt auch über alle Medikamente sowie nicht rezeptpflichtige Präparate (z.B. Nahrungsergänzungsmittel), die du einnimmst, informieren, da diese Nebenwirkungen verursachen können. Hilfreich ist sich vorab Notizen zu machen, um beim Arzttermin keine wichtigen Informationen zu vergessen.

Zu den ersten Untersuchungen gehört eine Lupen- und Tastuntersuchung von Bauchdecke, Gebärmutter und inneren Geschlechtsorganen sowie ein PAP-Test, wie er auch im Rahmen der Früherkennung vorgenommen wird.

Je nach Ergebnis finden anschließend weitere Untersuchungen statt:

  • HPV-Test zum Nachweis Humaner Papillomviren
  • Lupenuntersuchung von Scheide und Gebärmuttermund (Kolposkopie)
  • Gewebeentnahme (Biopsie) von Muttermund und Gebärmutterhals

Nicht immer kann anhand der entnommenen Gewebeprobe eine eindeutige Diagnose gestellt werden. In diesen Fällen führt der Frauenarzt eine sogenannte Konisation durch, bei der unter Narkose mittels einer elektrischen Schlinge oder Laser ein kegelförmiges Gewebestück aus dem Gebärmutterhals entnommen wird. Liegt bei der Patientin eine Krebsvorstufe oder Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium vor, stellt die Konisation oft bereits die einzig notwendige Behandlung dar.

Sollte der Krebs bereits in tiefere Gewebeschichten eingedrungen sein, können je nach Befund (Größe des Tumors, etwaiger Befall umliegenden Gewebes, Streuung in entfernte Organe) verschiedene weitere Untersuchungen erforderlich sein, um ein optimales Behandlungskonzept in spezialisierten onkologischen Fachzentren zu erstellen.

Gut zu wissen!

Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen lassen sich durch eine Impfung gegen Humane Papillomviren und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen weitgehend verhindern. Im Rahmen des Screening-Programms können sich Frauen ab 20 Jahren einmal jährlich einem PAP-Test unterziehen, ab einem Alter von 35 Jahren übernehmen die Krankenkassen alle drei Jahre die sogenannte Ko-Testung, eine Kombination aus HPV-Test und PAP-Abstrich.

Seit Einführung des Vorsorgeprogramms in Deutschland ging die Zahl der an Gebärmutterhalskrebs erkrankten Frauen, die die Vorsorgeleistungen in Anspruch genommen haben, um 90 Prozent zurück.

Quellen

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