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Gedächtnisstörungen in der Menopause: Erste Anzeichen für Alzheimer?

Die Wechseljahre zeigen sich nicht nur körperlich. Frauen berichten in der Menopause auch über kognitive Beeinträchtigungen wie Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Zwar lassen diese Beschwerden meist nach einigen Jahren wieder nach, aber welche Spuren hinterlassen sie in unserem Gehirn? Und erhöhen sie das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung?

Sind Gedächtnisstörungen ein Anzeichen für Alzheimer?
Sind Gedächtnisstörungen ein Anzeichen für Alzheimer?
© Bigstock/ fizkes

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Frauen erkranken häufiger an Alzheimer als Männer

Frauen sind deutlich häufiger von Demenz betroffen als Männer. Rund zwei Drittel der Erkrankungen im höheren Lebensalter entfallen auf Frauen. Während man diese Tatsache lange ausschließlich mit der höheren Lebenserwartung von Frauen begründete, sehen einige Forscher mittlerweile auch einen Zusammenhang mit den Stoffwechselprozessen während der Wechseljahre.

Einfluss der Östrogene auf das Gehirn

Die medizinische Forschung beschäftigt sich in jüngster Zeit verstärkt mit dem Einfluss der nachlassenden Östrogenproduktion auf die Gehirnleistung. Die Sexualhormone sind nämlich nicht nur maßgeblich an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt und spielen eine zentrale Rolle bei der Schwangerschaft, sondern entfalten auch eine positive Wirkung in tieferen Gehirnstrukturen.

So beeinflussen Östrogene unter anderem den Hippocampus, der für unser Erinnerungsvermögen wichtig ist, und schützen empfindliche Nervenzellen, um die Vitalität des Gehirns zu bewahren.

Dazu gehört auch, dass die Bildung von Eiweißablagerungen in den Neuronen, die vermutlich langfristig Alzheimer verursachen können, verhindert wird. Aktuellen Untersuchungen zufolge regen die Östrogene die Nervenzellen sogar zum Wachstum an und beugen damit dem Abbau geistiger Leistungsfähigkeit vor.

Was passiert, wenn die Östrogenproduktion nachlässt?

Produziert werden die Östrogene hauptsächlich in den Eierstöcken. Diese stellen in den Wechseljahren jedoch ihre Funktion ein und es kommt zu starken Hormonschwankungen. Bis der Körper sich darauf eingestellt hat, kann es neben körperlichen Beschwerden auch zu besagten kognitiven Problemen wie Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten kommen. Hat der Körper sich nach einigen Jahren an den Östrogenverlust gewöhnt, lassen die Symptome im Allgemeinen wieder nach. Studien belegen, dass auch die geistige Leistungsfähigkeit in vollem Umfang zurückkehrt.

Dennoch fehlt nun die wichtige Schutzfunktion, die die Östrogene für die Nervenzellen darstellen. Einige Forscher sehen darin eine Erklärung, warum Alzheimerdemenz bei Frauen häufiger verbreitet ist. Eine groß angelegte Studie in den USA hat beispielsweise die Dauer der Östrogenproduktion im Verhältnis zum Demenzrisiko untersucht. Demnach läge das Risiko einer Erkrankung bei Frauen mit einem späten Einsetzen der Menstruation oder einer frühen Menopause deutlich höher als bei Frauen, deren gebärfähige Phase länger anhält.

Die Östrogenproduktion ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig. Studien, die die Geburtenzahl in Relation zum Alzheimerrisiko setzen, kommen zu keinen eindeutigen Ergebnissen und auch die langfristigen Folgen der Einnahme der Anti-Baby-Pille hinsichtlich Demenz ist bislang nicht hinreichend bekannt.

Hormonersatztherapie zum Schutz vor Demenz?

Wenn Östrogene die Nervenzellen vor schädigenden Einflüssen bewahren, könnte dann nicht die Gabe von Hormonpräparaten eine wirksame Vorbeugungsmaßnahme darstellen? Leider kann die Wissenschaft auch diese Frage nach derzeitigem Stand nicht eindeutig beantworten, zumal eine Hormonersatztherapie mit Nebenwirkungen einhergehen kann. Dazu gehört sogar ein erhöhtes Demenzrisiko.

Nach der sogenannten Hypothese des kritischen Zeitfensters wirkt sich eine Hormontherapie nur dann positiv aus, wenn damit maximal fünf Jahre nach der letzten Regelblutung begonnen wird. Inwiefern das auch für die Verringerung des Alzheimerrisikos gilt, können bisherige Forschungsansätze jedoch nicht eindeutig nachweisen.

Ebenfalls nicht klar belegbar ist, dass die Menopause tatsächlich eine Ursache für Alzheimer darstellt. Wissenschaftler sehen jedoch Hinweise, dass Frauen mit einem erhöhten Risiko in den Wechseljahren anfällig für die Demenzerkrankung sind. Das liegt nicht zuletzt darin begründet, dass unter anderem Schlafmangel, Depressionen und Stress – typische Beschwerden der Wechseljahre – Alzheimer begünstigen können.

Alzheimer vorbeugen: Was kannst du tun?

Es ist davon auszugehen, dass noch zahlreiche langfristig angelegte Studien notwendig sein werden, um Alzheimer und auslösende Faktoren der Erkrankung hinreichend zu verstehen. Prävention nimmt daher einen wichtigen Stellenwert ein. Nachgewiesen ist, dass Menschen, die sich

  • gesund und ausgewogen ernähren
  • auf regelmäßige Bewegung achten
  • geistig aktiv bleiben
  • und soziale Kontakte pflegen

seltener an Alzheimer erkranken. Ärzte empfehlen zudem regelmäßige Gesundheitschecks, die Vermeidung von Übergewicht und einen Verzicht auf Alkohol und Zigaretten.

Quellen