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Genitalherpes: Wie schlimm ist die Geschlechtskrankheit?

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
© Bigstock/ polack

Herpes genitalis zählt zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Ist Genitalherpes immer ansteckend? Kann die Erkrankung von selbst weggehen? Und welche Medikamente bei Genitalherpes? Antworten auf alle deine Fragen.

Schätzungen zufolge tragen 10 bis 15 Prozent aller Deutschen das auslösende Herpesvirus in sich. Dementsprechend hoch ist die Unsicherheit bei Betroffenen und ihrem Umfeld.

Ursachen: Wie kommt es zu Genitalherpes?

Ausgelöst wird Genitalherpes von Herpes-simplex-Viren (HSV).

Es gibt zwei verschiedene HSV-Arten:

Während Herpes simplex vom Typ 2 in den meisten Fällen die Ursache von Genitalherpes ist, ist Typ 1 in erster Linie für Lippenherpes verantwortlich.

Beide Virus-Typen können aber sowohl Genital- wie Lippenherpes auslösen – abhängig davon, wie die Übertragung stattfindet.

Übertragen werden die Viren durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt, vor allem beim Sexualverkehr. Da Herpes-Viren außerhalb des Körpers noch bis zu 48 Stunden überleben können, ist auch eine indirekte Ansteckung über gemeinsam genutzte Gegenstände wie Sex Toys, Unterwäsche oder Handtücher möglich.

In seltenen Fällen wird der Virus auch von einer infizierten Schwangeren bei der Geburt auf das Kind übertragen.

Nach der Primär-Infektion, also der erstmaligen Ansteckung mit dem Virus, schlummert er ein Leben lang im Körper. Bei bis zu 90% aller Infizierten kommt der Intimherpes jedoch nicht zum Ausbruch oder äußert sich allenfalls in unauffälligen Beschwerden.

Frauen sind von Genitalherpes häufiger betroffen als Männer. Das Ansteckungsrisiko erhöht sich bei wechselnden Sexualpartnern, vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Symptome: Wie erkennt man Genitalherpes?

Erste Anzeichen einer Herpes-Infektion machen sich innerhalb der Inkubationszeit von zwei bis 12 Tagen zuweilen mit einem unangenehmen Kribbeln oder Stechen bemerkbar.

Nach wenigen Stunden oder Tagen bilden sich an Scheide und Schamlippen bzw. bei Männern an Penis und Hoden kleine Bläschen, die Haut kann jucken und brennen. Betroffene Frauen klagen zudem über Schmerzen beim Wasserlassen.

Schmerzen beim Wasserlassen:

In der Folge platzen die mit einer hochansteckenden Flüssigkeit gefüllten Bläschen nach und nach auf, bis zur vollständigen Abheilung können bei einer unbehandelten Primär-Infektion bis zu drei Wochen vergehen. Folgeausbrüche heilen oft nach rund zehn Tagen ab.

Wie lange ist Genitalherpes ansteckend?

Der Herpes im Intimbereich ist so lange ansteckend, wie die typischen Bläschen auf der Haut vorhanden sind. In dieser Zeit sollte unbedingt auf Geschlechtsverkehr und andere sexuelle Praktiken verzichtet werden!

Da die Ansteckung mit Genitalherpes auch ohne sexuellen Kontakt zwar selten, aber dennoch möglich ist, sollte man zum Schutz des Partners in akuten Phasen keine Gegenstände wie Handtücher gemeinsam nutzen. Ärzte empfehlen infizierten Menschen zudem, selbst in beschwerdefreien Zeiten immer Kondome zu verwenden.

Die Symptome von Herpes im Genitalbereich sind beim Erstausbruch besonders heftig. Neben den genannten Hautbeschwerden kann es zusätzlich zu Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen kommen. Bei einigen Patienten treten hingegen keine oder allenfalls milde Krankheitsanzeichen auf.

Reaktivierung: Wie kommt es zu einem erneuten Herpes-Ausbruch?

Die Reaktivierungen bei Genitalherpes verlaufen in der Regel schwächer als die Primär-Infektion. Was genau eine erneute Herpes-Episode auslöst, ist noch weitgehend unerforscht. Begünstigende Faktoren könnten psychische Belastungen, starke körperliche Anstrengung, Infekte sowie klimatische Einflüsse wie intensives Sonnenlicht sein.

Für mehr Entspannung:

Wie häufig es zu weiteren Genitalherpes-Ausbrüchen kommt, hängt vom Virus-Typ ab:

  • Bei HSV-1 ist bei 20 bis 50% der Infizierten mit einer Reaktivierung innerhalb 12 Monaten zu rechnen.
  • Bei Herpes simplex 2 ereilen 70 bis 90% der Betroffenen binnen eines Jahres eine bis vier weitere Episoden.

Diagnose: Wie wird Genitalherpes festgestellt?

Bei Verdacht auf Herpes im Intimbereich sollte man unbedingt seinen Hausarzt oder Gynäkologen aufsuchen.

Da andere Erkrankungen ähnliche Hauterscheinungen aufweisen können, reicht eine Blickdiagnose alleine nicht aus. Um Genitalherpes zweifelsfrei feststellen zu können, macht der Arzt einen Abstrich, der im Labor untersucht wird. Das Ergebnis gibt auch Aufschluss darüber, um welchen Virus-Typ es sich handelt.

Therapie: Wie behandelt man Genitalherpes?

Beim Erstausbruch von Herpes genitalis ist die Einnahme von virushemmenden Medikamenten ratsam. Der Herpes kann zwar auch ohne Behandlung abheilen, antivirale Mittel können die teilweise starken Beschwerden jedoch lindern und die Krankheitsdauer um einige Tage verkürzen.

Je früher man bei der Primärinfektion mit der Behandlung beginnt, desto besser. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eines dieser Medikamente für 10 Tage einzunehmen:

Aciclovir
Famciclovir
Valaciclovir

Cremes mit virushemmenden Wirkstoffen werden bei Genitalherpes hingegen nach einer aktuellen Untersuchung von Stiftung Warentest als „wenig geeignet“ eingeschätzt, ihre Wirksamkeit konnte nicht hinreichend nachgewiesen werden.

Bei schwächer verlaufenden Folgeausbrüchen ist die medikamentöse Behandlung nicht unbedingt notwendig. Frauen, die bei Genitalherpes unter einem brennenden Schmerz beim Wasserlassen leiden, können warme Sitzbäder, z.B. mit einem Kamille-Extrakt, Linderung verschaffen.

Um die entzündete Haut im Intim- und Analbereich nicht zusätzlich zu reizen, sollte auf Seifen und sonstige Reinigungsmittel verzichtet werden. Zudem ist es sinnvoll, locker sitzende Unterwäsche und Kleidung aus glatten Materialien wie Baumwolle oder Seide zu tragen.

Tipps für eine gesunde Vagina:

Quellen

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