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Herzinfarkt bei Frauen – das sind Warnsignale

Schmerzen in der Brust, Atemnot Herzklopfen – diese drei Symptome werden wohl viele automatisch mit Herzinfarkt verknüpfen. Doch das stimmt nur zum Teil, denn diese Beschwerden treten typischerweise bei Männern und Menschen mit XY-Chromosomen auf, Frauen und Menschen mit XX-Chromosomen leiden dagegen unter ganz anderen Warnsignalen.

Herzinfarkt bei Frauen – das sind Warnsignale
Herzinfarkt bei Frauen – das sind Warnsignale
© Bigstock/ motortion

In diesem Artikel:

Medizinische Forschung, eine Männerdomäne

Es ist leider eine Tatsache, dass weibliche Probandinnen in der medizinischen Forschung noch nicht ausreichend vertreten sind. Und das trotz Richtlinien und Verordnungen, wie etwa der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 14. Februar 2017 zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in den Bereichen psychische Gesundheit und klinische Forschung (2016/2096(INI)). Daher soll voraussichtlich 2021 eine EU-weite Verordnung erlassen werden.

Und das ist gut so, denn die Geschlechtschromosomen haben Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem. Außerdem bestehen typische Körpermerkmale, etwa, dass der weibliche Körper mehr Fett und weniger Wasser und Muskeln haben als männliche Körper.

So weit, so bekannt, doch ist dir bewusst, dass diese Unterschiede sich in der Entstehung von manchen Krankheiten, in deren Symptomen und zudem in der Behandlung zeigen? Ein Beispiel: Fettlösliche Medikamente werden bei einem höheren Anteil von Fett besser aufgenommen als wasserlösliche, zudem zeigen die Medikamente eine andere Abbauzeit und können dadurch länger wirken – aber auch länger Nebenwirkungen auslösen. Das ist eines der harmloseren Beispiele, ein schwerwiegenderes ist der Herzinfarkt.

Herzinfarkt, eine häufige Todesursache

Ein Herzinfarkt tritt auf, wenn sich eines der Blutgefäße verschließt, die das Herz mit Sauerstoff und auch Nährstoffen versorgen. Das kann das Herz derart schwächen, dass es nicht mehr ausreichend Blut in alle Organe und in den Körper pumpen kann. Ein Herzinfarkt tritt selten aus dem Nichts auf, es gibt bei Frauen & Menschen mit XX-Chromosomen einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen können:

Der Herzinfarkt zählt zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland gehören. So verstarben im Jahr 2017 344 500 Menschen an einer solchen Erkrankung, das macht rund 37 % der Sterbefälle aus. Mit dieser traurigen Zahl lagen diese Erkrankungen auf Platz 1 der Todesursachen. Daher ist es wichtig, die individuellen Warnsignale rechtzeitig zu erkennen, um umgehend den Notarzt zu rufen.

Herzinfarkt: Warnsignale bei Frauen

Die typischen Beschwerden für einen Herzinfarkt kennen viele, etwa aus Filmen oder auch aus den Erzählungen von Betroffenen. Doch Menschen mit XX-Chromosomen zeigen häufig andere Beschwerden:

  • Starke Kurzatmigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Beschwerden im Oberbauch
  • Druck oder Engegefühl im Brustbereich
  • Schweißausbrüche
  • Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich

Diese Symptome klingen leider so unspezifisch, dass viele Betroffene nicht an einen Herzinfarkt denken und kostbare Zeit verlieren. Doch nicht nur Betroffene, auch medizinische Fachleute denken manchmal nicht an einen Herzinfarkt, sondern führen die Symptome auf andere Erkrankungen zurück. Das liegt zum einen daran, dass viele Fachleute noch überzeugt sind, dass Frauen seltener an Herzerkrankungen leiden, und zum anderen daran, dass sie nur die typischen Warnsignale von Männern im Kopf haben. Die eher unspezifischen Symptome bei Frauen werden auf andere Erkrankungen zurückgeführt, wie etwa Wechseljahre.

Hier spielt leider auch mit rein, dass Schmerzen bei Frauen manchmal anders wahrgenommen oder nicht ernst genommen werden. Diese Denkweise haben einige Betroffene so verinnerlicht, dass sie ihre eigenen Beschwerden runterspielen oder sich gar nicht erst trauen, die Notrufnummer zu wählen.

Werde selbst aktiv

Daher ist es für dich wichtig, die Signale deines Körpers zu kennen und so klar sagen zu können, welche Symptome plötzlich auftreten oder auch in ungeahnter Stärke. Du musst zudem keine Scheu haben, die Notrufnummer 112 zu wählen und deine Symptome und Befürchtungen zu äußern. Schließlich kannst du als medizinischer Laie lediglich deine körpereigenen Beschwerden beschreiben, die Diagnose muss durch medizinisches Fachpersonal erfolgen. Bei einem Verdacht auf einen medizinischen Notfall, wie einen Herzinfarkt, ist es daher immer ratsam, umgehend den Notruf zu wählen.

Du kannst zudem selbst aktiv werden, indem du deine Risikofaktoren minimierst. So kannst du zum Beispiel auf hormonfreie Verhütung umsteigen oder mithilfe von Tipps versuchen, dir das Rauchen abzugewöhnen. Wichtig ist dabei stets, dass du das machst, was dir, deiner Psyche und deinem Körper gut tut!

Quellen