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HIV-Schnelltest: Vorteile und Gefahren vom HIV-Test für Zuhause

Seit Oktober 2018 dürfen auch in Deutschland HIV-Selbsttests im Internet, in Apotheken und in Drogerien verkauft werden. Hier erfährst du, wie ein HIV-Schnelltest funktioniert, wie sicher die Ergebnisse sind und, was du sonst noch beachten solltest.

Mit einem HIV-Selbsttest kannst du dich selbst auf den HI-Virus testen
Mit einem HIV-Selbsttest kannst du dich selbst auf den HI-Virus testen
© Unsplash/ Benedikt Geyer

Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts leben aktuell in Deutschland etwa 87.900 Menschen mit dem HI-Virus – 10.600 davon unwissentlich. Safe Sex kann eine Übertragung verhindern – aber was, wenn das Kondom beim Sex mit einem Fremden gerissen ist?

Seit Oktober 2018 das der HIV-Schnelltest für Zuhause in Deutschland verkauft werden. So sollen mehr Menschen dazu gebracht werden, sich testen zu lassen.

Wie funktioniert der HIV-Schnelltest für Zuhause?

Es gibt zwei verschiedene Test-Arten für Laien: Den Bluttest und den Speicheltest. Weil Speicheltests als sehr unzuverlässig gelten, sind sie in Europa nicht zugelassen. Wenn du dir also einen HIV-Schnelltest kaufst, wird es wohl ein Bluttest sein. Dafür reicht ein kleiner Pieks in den Finger – diese kleine Menge Blut ist ausreichend, um Antikörper gegen den HI-Virus ausgebildet nachzuweisen. Da nicht direkt auf den HI-Virus sondern auf Antikörper getestet wird, spricht man auch von einem indirekten Test.

Je nachdem, welchen Test du benutzt, kann der Ablauf des Tests variieren. Achte hier immer darauf, dass du den Anweisungen genau folgst. Wenn du dir unsicher bist, kannst du auch auf die Webseite des Herstellers schauen: Oft gibt es dort (oder auf YouTube) schon Videos, die anschaulich zeigen, wie der HIV-Schnelltest benutzt wird.

Wann sollte ich den Test machen?

Der HIV-Test weist Antikörper nach – die müssen sich allerdings in deinem Körper erst bilden. Laut der Deutschen Aidshilfe kann es zwölf Wochen dauern, bis nach der möglichen HIV-Übertragung genügend Antikörper für einen HIV-Selbsttest gebildet sind.

Warte also am besten drei Monate, bis du den HIV-Schnelltest durchführst.

Das Ergebnis ist da: Und jetzt?

Ein HIV-Schnelltest (egal, ob beim Arzt oder von dir durchgeführt) liefert die Ergebnisse meist innerhalb von einer bis 15 Minuten. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest kannst du das Ergebnis an Linien oder Punkten ablesen.

  • Keine Linie: Der HIV-Schnelltest ist ungültig
  • Nur eine Linie bei Infektion: Der Test ist ungültig
  • Eine Linie bei Kontrolle: keine Infektion/ negativer Test
  • Zwei Linien – bei Kontrolle und Infektion: vorläufig positiver Test

Übrigens: Wie stark oder schwach die Linien ausgebildet sind, sagt nichts über die Menge an Antikörpern aus.

Negativer HIV-Schnelltest

Auch ein negativer HIV-Test bedeutet nicht sofort eine Entwarnung. Obwohl die meisten zugelassenen Tests eine Sensitivität von 100 Prozent haben – also keine Infektion übersehen wird – kannst du dich im sogenannten „diagnostischen Fenster“ befinden. Das bedeutet, dass du zwar infiziert bist, aber dein Körper noch keine Antikörper ausgebildet hat. Wenn du dir unsicher bist (zum Beispiel, weil du Sex ohne Kondom hattest), solltest du auf jeden Fall zu einem späteren Zeitpunkt nochmal einen Test machen oder einen Bluttest beim Arzt machen lassen.

Positiver HIV-Schnelltest

Bei einem positiven HIV-Test sitzt der Schock bei dir wahrscheinlich tief. Jetzt ist es wichtig, dass du einen Arzt aufsuchst. Ein positiver HIV-Selbsttest sollte nämlich immer durch einen Labortest bestätigt werden. Dein Arzt wird dich auch beraten, informieren und dir mögliche Ängste nehmen.

WICHTIG! Nach einem positiven HIV-Schnelltest zuhause solltest du die Finger vom Internet lassen. Klar, du willst dich jetzt wahrscheinlich informieren und auf das Schlimmste vorbereiten. Beim bloßen drauflos-googeln findest du aber sicherlich Dinge, die du eigentlich nicht sehen solltest.

Also, auf zum Arzt.

Wenn auch der Arzt das positive Ergebnis bestätigt, solltest du immer daran denken, dass HIV schon lange kein Todesurteil mehr ist. Der Virus ist zwar noch nicht heilbar, aber behandelbar.

Wie zuverlässig ist der HIV-Schnelltest für Zuhause

Laut der Unstatisik des Monats des Max-Planck-Instituts gibt es bei HIV-Selbsttests eine Fehlalarmquote von etwa 0.2 Prozent – eine HIV-Infektion wird von dem Test also kaum übersehen.

Jedoch gibt es auch viele Falsch-Positive – also ein positives Ergebnis, obwohl eigentlich keine Infizierung vorliegt. Aus einer Berechnung mit Daten des Statistischen Bundesamts geht hervor, dass von 13 Personen mit positivem HIV-Test nur eine wirklich infiziert ist.

„Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv“ bedeutet also, dass die Wahrscheinlichkeit bei nur etwa 8 Prozent liegt, dass man infiziert ist. Anders ausgedrückt, die Wahrscheinlichkeit beträgt 92 Prozent, dass man nicht infiziert ist, wenn man im Schnelltest positiv testet.

Ist es egal, welchen Test ich mir kaufe?

Im Internet findest du viele Angebote für einen HIV-Selbsttest – manche kommen sogar schon mit einem Antibiotikum. Seriös sind diese Angebote jedoch nicht. Hier ist nicht garantiert, dass sie zuverlässig sind. Also lass besser die Finger davon.

Hier ein kurzer Guide, was einen guten HIV-Schnelltest auszeichnet:

  • hat ein CE-Prüfsiegel der EU
  • ist in Europa zugelassen und in Deutschland erhältlich
  • hat eine deutschsprachige Anleitung
  • hat eine Sensitivität von annähernd 100 Prozent
  • er ist „für die Anwendung durch Laien konzipiert“

Die deutsche Aidshilfe empfiehlt unter anderem diese drei Tests:

  1. ‚Autotest VIH‘
  2. ‚Exacto-Selbsttest‘
  3. ‚INSTI HIV SELF TEST‘ [Dieser HIV-Schnelltest ist nicht so leicht zu handhaben wie die anderen zwei]

Was kostet ein HIV-Selbsttest

Je nachdem wo du welchen HIV-Schnelltest kaufst, liegen die Kosten zwischen 20 und 50 Euro. In vielen Gesundheitsämtern und an anderen Teststellen ist der HIV-Schnelltest günstiger (zwischen zehn und 15 Euro) oder sogar kostenlos. Eine Teststelle in deiner Nähe kannst du hier finden.

Vor- und Nachteile vom HIV-Selbsttest

Ein HIV-Schnelltest für Zuhause hat einen großen Vorteil, den auch Ärzte und Experten oft betonen. Einige Menschen schämen sich davor, sich auf den HI-Virus testen zu lassen. Also lassen sie den Test nicht durchführen und geben den Virus vielleicht unwissentlich an andere weiter. Durch einen HIV-Test für Zuhause testen sich vielleicht mehr Menschen und lassen sich behandeln, falls sie HIV-positiv sind. Dadurch kann dauerhaft die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden.

Jedoch gibt es auch ein paar Nachteile und Gefahren vom HIV-Selbsttest, die bedacht werden sollten!

  1. Der Test ist langsamer als ein Labortest
    Wie vorher bereits erklärt, musst du rund zwölf Wochen nach einer möglichen Infektion warten, bis ein HIV-Schnelltest für Zuhause auch verlässlich ist. Labortests können schon nach sechs Wochen ein Ergebnis liefern.
  2. Ein HIV-Selbsttest kann ein falsches Ergebnis liefern – falsch-positiv
    Es kommt bei dem Test manchmal zu positiven Ergebnissen, obwohl keine Infektion vorliegt.
  3. Im Gegensatz zum HIV-Schnelltest beim Arzt erfährst du sofort von einem „positiven Ergebnis“
    Bei einem Bluttest beim Arzt kann es auch zu falschen positiven Ergebnissen kommen. Deswegen wird bei einem positiven HIV-Test sofort ein Bestätigungstest durchgeführt – bevor du von dem Ergebnis erfährst. So kann ein falsch-positives Ergebnis dich nicht beunruhigen.
  4. Nach dem HIV-Selbsttest hast du nicht direkt jemanden zum Reden bei dir
    Solle der HIV-Test wirklich positiv sein, hast du zuhause nicht sofort jemanden da, der dir alles erklärt und dir Ängste nimmt. Hilfe musst du dir hier erstmal selbst suchen. Bei einem Arzt werden dir mit der Diagnose gleich Beratungsstellen und andere Ressourcen mitgegeben.

Trotz dieser Gefahren und Nachteile ist es trotzdem besser, den HIV-Schnelltest zuhause durchzuführen, als sich gar nicht testen zu lassen.

Hilfe und Beratungsstellen für Betroffene

Die Diagnose HIV-positiv ist für Menschen und ihr Umfeld erst mal ein tiefer Schlag. Auf der Webseite der Deutschen Aidshilfe findest du Ressourcen, Informationen und (anonyme) Beratungsangebote. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat auch eine Telefonberatung zu HIV und AIDS eingerichtet.

Quellen