Bookmark

Humane Papillomviren: Arten, Übertragungswege und Gesundheitsrisiken genitaler HPVs

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
© Bigstock/ bangoland

Bei Humanen Papillomviren handelt es sich um Krankheitserreger, die Entzündungen und Hauterkrankungen hervorrufen können. Infos zu Übertragung, Riskofaktoren und HPV-Typen.

Mehr als 200 verschiedene HPV-Arten sind bislang bekannt, rund 40 davon sind sexuell übertragbar und lösen Infektionen an Haut und Schleimhaut im Genitalbereich aus.

Im Normalfall werden genitale HP-Viren vom Immunsystem abgewehrt oder führen allenfalls zu beschwerdefreien Infektionen, die von selbst abheilen. Einige Virenarten verursachen jedoch gutartige Feigwarzen oder sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und anderer Karzinome beteiligt.

Ansteckung: Wie erfolgt die Übertragung genitaler HP-Viren?

Mit genitalen HP-Viren steckt man sich über die Schleimhaut vor allem beim Geschlechtsverkehr an, die Übertragung kann auch beim Oralsex erfolgen.

Eine Übertragung ohne Schleimhautkontakt ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht möglich.

HP-Viren gehen bei infizierten Personen nicht in Speichel, Blut, Sperma oder Muttermilch über – normale Küsse, Stillen oder Bluttransfusionen scheinen demnach kein Ansteckungsrisiko zu bergen.

Inwiefern Krankheitserreger beim Kontakt der Schleimhäute mit verunreinigten Gegenständen wie z.B. Toiletten oder gemeinsam genutzten Handtüchern übertragen werden, ist noch nicht hinreichend erforscht und scheint prinzipiell nicht ausgeschlossen zu sein.

Sexuelle Kontakte stellen aber den häufigsten Übertragungsweg dar.

Risikofaktoren: Wodurch wird eine Infektion mit HPV begünstigt?

Humane Papillomviren sind weit verbreitet.

Rund 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen und Männer infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HP-Viren, manche bereits beim ersten Sexualkontakt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 6 Millionen Frauen mit HPV infiziert.

Da genitale HP-Viren in erster Linie bei Vaginal-, Anal- und Oralverkehr übertragen werden, steigt das Ansteigungsrisiko mit der Zahl der Sexualpartner.

Darüber hinaus spielen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen noch weitere Faktoren eine Rolle:

  • Mädchen, die bereits vor dem 16. Lebensjahr Sexualverkehr haben, gelten als besonders gefährdet. Die Haut der Vagina ist in diesem Alter noch recht dünn, wodurch es leichter zu Verletzungen kommt, durch die die Krankheitserreger in den Organismus eindringen können.
  • Bei Müttern hängt die Ansteckungsgefahr vom Lebensalter bei der Geburt des ersten Kindes und der Anzahl der natürlichen Geburten ab. Grund dafür ist, dass sich die Gebärmutterschleimhaut in der Schwangerschaft verändert und damit anfälliger für Infektionen
  • Rauchen begünstigt Infektionen mit Humanen Papillomviren. Studien belegen, dass sich Nikotin und andere krebserregende Substanzen aus Tabak in der Schleimhaut am Gebärmutterhals ansiedeln und deren Schutzfunktion beeinträchtigen können. HPV-infizierten Frauen wird deshalb empfohlen, das Rauchen aufzugeben.
  • Verhütung spielt ebenfalls eine Rolle. Die Verwendung von Kondomen bietet zwar keinen vollständigen Infektionsschutz, da HPV auch Zellen außerhalb der Scheide befallen kann; die konsequente Verwendung von Präservativen kann das Ansteckungsrisiko jedoch verringern.
  • Bei Menschen mit Immunschwäche, z.B. Aids-Patienten oder Personen, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen müssen, kann eine HPV-Infektion nicht so effektiv abgewehrt werden wie von einem intakten Immunsystem.
  • Infektionen im Genitalbereich mit anderen Erregern wie z.B. Chlamydien oder Herpes-Viren begünstigen die Ansteckung mit Humanen Papillomviren.
Ursachen und Behandlung

Welche Erkrankungen werden durch HPV hervorgerufen?

HP-Viren können meist erfolgreich von der natürlichen Immunabwehr bekämpft werden und verursachen keine oder allenfalls kaum wahrnehmbare Beschwerden. In etwa 90 Prozent der Fälle klingt die Infektion innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst ab, Betroffene wissen häufig gar nicht, dass sie infiziert sind oder waren.

Bei rund 10 Prozent der HPV-Infizierten entwickeln sich gesundheitliche Probleme. In der Medizin werden die rund 40 HPV-Typen, die die Genitalschleimhaut befallen, in Niedrigrisiko- und Hochrisikotypen unterteilt – je nach ihrer Wahrscheinlichkeit, das Risiko von Krebserkrankungen zu erhöhen.

Das kann darauf hinweisen

HPV: Niedrigrisiko-Typen

Zu den häufigsten Niedrigrisiko-Typen zählen HPV 6 und 11. Sie können nach einer Inkubationszeit von drei Wochen bis zu acht Monaten Feigwarzen im Genitalbereich, sogenannte Kondylome, verursachen.

Die Warzen an äußeren Geschlechtsorganen oder Scheide, Gebärmutterhals- oder Analbereich sind zwar unangenehm, aus medizinischer Sicht jedoch harmlos. Durch Oralverkehr kann es auch zu Papillombildungen im Mund kommen,

HPV 6 und 11 können zudem bei der Geburt von der infizierten Mutter auf das Kind übertragen werden.

HPV: Hochrisiko-Typen

Zwölf genitale HPV-Typen werden von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) als Hochrisiko-Typen eingestuft, dazu gehören unter anderem HPV 16 und 18. Sie lösen Veränderungen in den Schleimhautzellen an Vulva, Scheide, Gebärmutterhals oder im Analbereich aus.

Auch sie können ohne Behandlung ausheilen, bei weniger als einem Prozent der betroffenen Frauen entwickeln sich daraus jedoch Krebszellen und Krebsvorstufen (Dysplasien). Zu den häufigsten durch genitale HP-Viren hervorgerufenen Erkrankungen zählt Gebärmutterhalskrebs.

Hochrisiko-HPV-Typen können bei Frauen zudem auch die Schleimhäute an Vulva, Scheide und After oder in Mund, Kehlkopf und Rachen infizieren und Krebs verursachen.

Diagnose: Wann ist ein HPV-Test sinnvoll?

Eine Infektion mit HP-Viren lässt sich heutzutage relativ leicht mit einem HPV-Test nachweisen. Dabei wird Zellmaterial aus einem Schleimhautabstrich oder einer kleinen Gewebeprobe aus dem möglicherweise infizierten Bereich auf vorhandenes Erbmaterial humaner Papillomviren im Labor untersucht.

Seit 2020 ist der HPV-Test zusammen mit dem PAP-Abstrich Bestandteil des Früherkennungsprogramms für Gebärmutterhalskrebs, allerdings nur für Frauen ab 35 Jahren. Zwar kommt eine Infektion mit genitalen HP-Viren bei jüngeren Frauen häufiger vor, wird aber im Allgemeinen vom Immunsystem abgewehrt, ohne zelluläre Veränderungen zu verursachen.

Ein positives Testergebnis käme demnach häufig vor, würde aber eine unnötige psychische Belastung für Betroffene darstellen.

Zumal ein positives HPV-Testergebnis keine Krebsdiagnose darstellt, sondern lediglich die Virusinfektion nachweist. Je nach Resultat des zytologischen PAP-Tests wird damit die Entscheidung über weitere Untersuchungen oder Therapieansätze erleichtert.

Quellen

Top