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Hysterektomie: In vielen Fällen gibt es Alternativen

Die Entfernung der Gebärmutter ist für viele Frauen das Ende eines langen Leidensweges – es ist jedoch auch kein leichter Schritt für Frauen. Es gibt allerdings heute einige Hysterektomie-Alternativen. Welche das sind, und wann eine Gebärmutterentferung wirklich notwendig ist, liest du hier.

Welche Hysterektomie-Alternativen gibt es?
Welche Hysterektomie-Alternativen gibt es?
© Bigstock/ Shidlovski

Auch wenn die Zahl der Gebärmutterentfernungen in Deutschland zurückgeht, handelt es sich dabei noch immer um die häufigste Operation bei Frauen zwischen 45 und 64 Jahren. Dabei erfolgt der Eingriff zum überwiegenden Teil bei Patientinnen mit gutartigen Erkrankungen, die oftmals auch mit alternativen Methoden behandelt werden könnten. Empfiehlt der Gynäkologe eine Hysterektomie, lohnt es sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Eine Hysterektomie ist ein Eingriff mit weitreichenden Folgen, der wohl überlegt sein will. Müssen Eileiter und Eierstöcke entfernt werden, setzen vorzeitig die Wechseljahre ein. Und selbst bei einer nur teilweise Entfernung der Gebärmutter kann die Patientin nach der Operation keine Kinder mehr bekommen. Das setzt manchen Betroffenen psychisch stark zu, vor allem jüngere Frauen leiden nicht selten unter Folgeerscheinungen wie Depressionen und Angstzuständen.

In diesem Artikel:

Wann ist eine Hysterektomie zwingend notwendig?

Als absolute Indikationen, bei denen eine Hysterektomie unumgänglich ist, gelten Krebserkrankungen an Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper, Eierstöcken und Eileiter. Angezeigt ist die Entnahme zudem bei nicht anders beherrschbaren Blutungen aus der Gebärmutter oder schweren Entzündungen der Genitalorgane. Schätzungen zufolge handelt es sich in rund 90 Prozent der Operationen jedoch um sogenannte Wahleingriffe aufgrund gutartiger Erkrankungen.

Alternative Behandlungsoptionen bei gutartigen Erkrankungen

Zu den Gründen für eine Hysterektomie zählen vor allem Myome, eine Gebärmuttersenkung, Endometriose und außergewöhnlich starke Regelblutungen. Letztere lassen sich oft durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder das Einsetzen einer Hormonspirale behandeln, falls die Betroffene keinen aktuellen Kinderwunsch hat. Ansonsten kann die Gabe von Blutungshemmern infrage kommen.

Bei Endometriose mit starken Monatsblutungen und Schmerzen kann ebenfalls eine hormonelle Therapie in Betracht gezogen werden. Besteht ein akuter Kinderwunsch können die Endometriose-Herde mittels Bauchspiegelung entfernt werden. Dabei bleibt die Gebärmutter erhalten, der Eingriff kann zudem die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen.

Gebärmuttererhaltende Maßnahmen stehen auch bei Myomen je nach Schweregrad und Beschwerden zum Beispiel durch Myomenukleation oder Myom-Embolisation zur Verfügung. Für Frauen kurz vor den Wechseljahren können Hormonpräparate eine Behandlungsoption darstellen.

Die Notwendigkeit einer Hysterektomie besteht bei einer Gebärmuttersenkung nur bei Begleiterscheinungen wie Verwachsungen und einer vergrößerten Gebärmutter. Ansonsten gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass das Risiko eines erneuten Absinkens der Organe durch die Entfernung der Gebärmutter gemindert wird.

Warum werden so viele Hysterektomien vorgenommen?

Über die Gründe der hohen Anzahl an medizinisch nicht notwendigen Gebärmutterentfernungen lässt sich nur spekulieren. Zum einen entscheiden sich Frauen ganz bewusst für die Total-OP – wie der chirurgische Eingriff häufig von Laien genannt wird – da sie sich eine endgültige Lösung für ihre gesundheitlichen Probleme wünschen, die oftmals mit jahrelangen heftigen Beschwerden einhergehen. Experten mutmaßen jedoch, dass auch die relativ hohen Fallpauschalen von gut 3.000 Euro, die von Krankenkassen für die Operation erstattet werden, eine Rolle spielen könnten. Bei gebärmuttererhaltenden Therapien fällt die Erstattung deutlich geringer aus.

Zudem müssen Assistenzärzte während der Weiterbildung zum Gynäkologen eine gewisse Anzahl operativer Eingriffe nachweisen. Dementsprechend hoch ist der Druck bei den angehenden Fachärzten, was womöglich zu einer etwas großzügigeren Auslegung der Indikationen führen könnte.

Frauen mit hohem Bildungsgrad werden seltener operiert

Auffällig ist, dass sich Frauen mit einem höheren Bildungsstand seltener einer Hysterektomie unterziehen. Entsprechende internationale Studien-Ergebnisse konnten auch durch wissenschaftliche Untersuchungen in Deutschland bestätigt werden: Demnach wurde die Gebärmutter bei 31 Prozent der Frauen aus einer niedrigen Bildungsgruppe entfernt, der Anteil in der mittleren Bildungsgruppe betrug 15,6 Prozent, bei Frauen mit hohem Bildungsgrad betrug die Quote lediglich 11,6 Prozent. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich Letztere eingehender informieren und ärztliche Empfehlungen stärker hinterfragen.

Ärztliche Zweitmeinung bei Operationen

Rät der Gynäkologe zu einer Hysterektomie, muss er die Patientin darauf hinweisen, dass sie eine ärztliche Zweitmeinung einholen kann. Dieses Recht gilt im Falle einer Gebärmutterentfernung seit 2019 auch für Versicherte in gesetzlichen Krankenkassen. Der Termin muss mindestens zehn Tage vor der geplanten OP stattfinden, der behandelnde Arzt hat der Patientin Kopien sämtlicher Befunde sowie Adressen qualifizierter Spezialisten bereitzustellen. Dabei darf es sich nicht um Kollegen aus dem eigenen Praxisverbund oder der gleichen Klinik handeln; wichtig ist, dass eine unabhängige Expertise eingeholt werden kann.

Wer sich in dieser Angelegenheit nicht auf den eigenen Arzt verlassen möchte, findet online einen Service der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Namen und Adressen aller für die Zweitmeinung zugelassenen Frauenärzte bereitstellt.

Eine hilfreiche Unterstützung zur Vorbereitung auf ein solches Gespräch bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit unabhängigen Informationen und einer interaktiven Entscheidungshilfe zum Ausfüllen.

Quellen