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Lues connata: Angeborene Syphilis durch Infektion in der Schwangerschaft

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin

Eine unbehandelte Syphilis-Infektion während der Schwangerschaft kann sich von Mutter auf Kind übertragen. Alle Infos zur Übertragung und Behandlung von Lues connata.

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
© Unsplash/ Hollie Santos

Die Geschlechtskrankheit Syphilis wird im Allgemeinen durch sexuelle Kontakte verbreitet.

Möglich ist jedoch auch die Ansteckung des ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft. Trotz steigender Syphiliszahlen tritt die angeborene Syphilis hierzulande jedoch nur äußerst selten auf. Aufgrund des umfangreichen Vorsorgeprogramms in Deutschland werden nahezu alle Syphilisfälle bei werdenden Müttern identifiziert und behandelt, bevor es zu einer Übertragung des krankheitserregenden Bakteriums auf den Fötus kommen kann.


Erhöhtes Übertragungsrisiko bei Syphilis im Primärstadium

Das Syphilis-erregende Bakterium Treponema pallidum kann den Fötus etwa ab der 20. Woche oder zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft infizieren. Die Krankheitserreger können in der Gebärmutter durch die Plazenta oder während der Geburt an das Kind weitergegeben werden.

Die Gefahr der Übertragung ist umso höher, je kürzer die Infektion der schwangeren Frau zurückliegt. Hat sie sich erst in der Schwangerschaft angesteckt, liegt die Übertragungsrate bei bis zu 100 Prozent.

Wird die Syphilis bei der werdenden Mutter nicht therapiert, kommt es nach Informationen des Robert-Koch-Instituts in 30 bis 40 Prozent der Fälle zu einer Fehl- oder Totgeburt, dem Tod des Säuglings unmittelbar nach der Geburt oder einer Frühgeburt.


Symptome von Lues connata praecox und Lues connata tarda

Bei infizierten Neugeborenen treten oft direkt nach der Geburt noch keine Symptome auf, einige bleiben sogar Zeit ihres Lebens klinisch unauffällig. In den meisten Fällen macht sich die Erkrankung innerhalb der ersten acht Lebensmonate bemerkbar.

Man unterscheidet zwei Phasen der Lues connata: Die frühe angeborene Syphilis (Lues connata praecox) bei Neugeborenen und Säuglingen und die späte angeborene Syphilis (Lues connata tarda) ab dem dritten Lebensjahr.

Krankheitszeichen der frühen angeborenen Syphilis treten meist ab der 3. bis 10. Lebenswoche auf.  Sie ähneln den Symptomen, die sich bei infizierten Erwachsenen im sekundären oder tertiären Syphilis-Stadium bemerkbar machen.

Dazu gehören bei betroffenen Kindern oft

infektiöse Blasen oder ein großflächiger Hautausschlag an Handflächen und Fußsohlen
Petechien und Fissuren
Fieber und Lymphknotenschwellungen
Vergrößerung von Milz und Leber
Gelbsucht
Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis)
Darmentzündung
Kehlkopfentzündung
nachlassende Trinkleistung an Brust und Flasche

Zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat kann sich zudem eine Hirnhautentzündung (Meningitis) manifestieren. Zudem kann sich der Befall des zentralen Nervensystems durch Krampfanfälle oder einen Hydrozephalus äußern.

Wird die frühe angeborene Syphilis nicht oder nur unzureichend behandelt, können ab dem dritten Lebensjahr des Kindes Syphilis-Symptome an verschiedenen Organen auftreten:

  • Eingeschränkte Sehfähigkeit bis zur Erblindung
  • Schwerhörigkeit oder Taubheit
  • Fehlbildungen von Zähnen und Knochen
  • Schädigungen des zentralen Nervensystems


Syphilis-Therapie bei schwangeren Frauen und infizierten Kindern

Syphilis wird bei werdenden Müttern mit Penicillin behandelt, da andere Antibiotika in der Schwangerschaft schwerwiegende Schäden hervorrufen oder das ungeborene Kind gefährden können. Bei einer Penicillin-Allergie empfehlen Ärzte eine Hyposensibilisierung, um die Betroffene schrittweise an das Penicillin zu gewöhnen.

Infizierte Neugeborene werden ebenfalls mit Penicillin therapiert. Die Gabe erfolgt dabei im Allgemeinen intravenös über einen Zeitraum von zehn bis 14 Tagen. Nach Abschluss der Penicillin-Therapie ist das Kind nicht mehr ansteckend.

Quellen

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