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Hormonfreie Verhütung – Vorteile, Nutzen und Auswahl

Vaginalring, Antibabypille, Hormonimplantat, Verhütungspflaster, Depot-Spritze – all diese Verhütungsmethoden haben eines gemeinsam: Sie wirken durch Hormone. Je nach Präparat und individueller Verträglichkeit können die enthaltenen Hormone jedoch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen auslösen. Diese reichen von Müdigkeit, Migräne über den Verlust der Libido bis hin zu depressiven Verstimmungen.

Hormonfreie Verhütung – diese Methoden gibt es
Hormonfreie Verhütung – diese Methoden gibt es
© Unsplash/ Franck V.

Mögliche Risiken von hormonellen Verhütungsmitteln

Wie bereits erwähnt, können die Hormone in den Verhütungsmitteln eine ganze Palette an Symptomen auslösen. Einige können zudem ernste Erkrankungen zu begünstigen. So stehen kombinierte Hormonpräparate in Verdacht, als einer von mehreren Faktoren Thrombosen zu fördern. Weitere Faktoren sind beispielsweise Rauchen, starkes Übergewicht sowie ein Alter über 35 Jahre.

Auch das Herzinfarkt– und Schlaganfallrisiko kann durch diese kombinierten hormonellen Verhütungen erhöht werden. Weitere Faktoren sind hier unter anderem Bluthochdruck, Rauchen, hohe Blutfettwerte sowie ein Alter über 35 Jahren. Neben den Kombipräparaten gibt es die Gestagen-Präparate, die lediglich das Hormon Gestagen enthalten. Hier sind die Risiken für die genannten Erkrankungen niedriger.

Wenn du einen oder gar mehrere Faktoren für diese Erkrankungen aufweist, ist es eventuell sinnvoll, auf hormonelle Verhütung zu verzichten, um das Risiko zu minimieren. Wie hoch dein individuelles Risiko tatsächlich ist, kannst du am besten bei einem Termin in deiner gynäkologischen Praxis klären.

Verhütung absetzen – und was jetzt?

Wenn du dich von deiner hormonellen Verhütung trennen möchtest, kannst du diese in Ansprache mit deiner gynäkologischen Praxis absetzen. Das Absetzen von Hormonen kann Begleiterscheinungen auslösen, da sich dein eigenes hormonelles Gleichgewicht erst wieder einpendeln muss. Je nach verwendetem Präparat kann das einige Zeit dauern.

Bitte setz deine Verhütung nicht einfach eigenständig ab, sondern nur in Absprache mit deiner behandelnden gynäkologischen Praxis. So können etwaige starke Beschwerden und Veränderungen gut diagnostiziert und behandelt werden.

Je nachdem, für welche Folgemethode du dich entscheidest, kannst du in der Zwischenzeit anderweitig verhüten, etwa mit Kondom.

Hormonfreie Verhütung – das gibt es

Du hast dich mit deiner gynäkologischen Praxis beraten und dich dafür entscheiden, deine hormonelle Verhütung abzusetzen. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um zu schauen, welche andere Verhütung für dich nun in Frage kommt:

Barriere

  • Peniskondom, Vaginalkondom
    Das Kondom ist eine dünne Hülle, die entweder über den Penis gezogen oder in die Scheide eingesetzt wird. So verhindert es den direkten Kontakt von Penis mit Scheide und fängt die Samenflüssigkeit auf. Es gibt sie in verschiedenen Materialien, Größen, Farben und Formen. Damit das Kondom sicher schützt, muss es die richtige Größe haben und sicher angezogen werden. So vermeidet man, dass es reißt oder Löcher bekommt. Sie werden nur einmal verwendet und verhindern Schwangerschaften sowie die Übertragung von Krankheiten.
  • Diaphragma
    Dies ist eine dünne Haube, die vor dem Muttermund platziert wird. Sie verhindert dort das Eindringen der Spermien. Das Diaphragma wird immer zusammen mit einem Verhütungsgel genutzt, um seine Wirksamkeit zu erhöhen. Es wird immer von einer Fachkraft angepasst, damit es perfekt sitzt und nicht verrutscht. Ein Diaphragma kann mehrmals verwendet werden und wird je nach Nutzungsdauer etwa alle ein bis zwei Jahr ausgetauscht.

Implantate

  • Kupferspirale, Kupferkette, Kupferball
    Diese Methoden werden von einem Facharzt in die Gebärmutter eingesetzt. Durch das enthaltene Kupfer werden die Spermien in ihrer Beweglichkeit gehemmt und der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird gestört. Je nach Methode können Nebenwirkungen auftreten, wie etwa eine verstärkte und schmerzhaftere Regelblutung oder Zwischenblutungen.

Körperzeichen lesen

  • Fruchtbarkeitswahrnehmung, natürliche Familienplanung
    Die Methode ist unter dem Begriff natürliche Familienplanung, kurz NFP, bekannt. Dein Körper sendet zu jeder Phase im Zyklus unterschiedliche Signale. Wenn du dich mit diesen auseinandersetzt und über einen längeren Zeitraum lernst, was welches Signal bedeutet, kannst du in einem gewissen Rahmen deine fruchtbaren Tage bestimmen. Dabei helfen dir Methoden wie etwa das Messen der Temperatur, das Betasten des Muttermunds und die Kontrolle des Zervixschleims. Wenn du dich in deinen fruchtbaren Tagen befindest, verzichtest du entweder auf Sex oder nutzt eine Barrieremethode, um eine Befruchtung zu verhindern.

Operative Methode, irreversibel

  • Sterilisation
    Wer sich sicher ist, keine oder keine weiteren Kinder zu wollen, kann sich auch einer zumeist ambulanten Operation unterziehen. Hierbei werden entweder die Eileiter oder die Samenstränge durchtrennt. Diese Methode ist irreversibel, sprich sie ist dauerhaft und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Verhütung betrifft alle Beteiligten

Du siehst, es gibt eine ganze Bandbreite an hormonfreien Verhütungsmethoden. Je nachdem, was dir und allen anderen Beteiligten wichtig und für euch umsetzbar ist, könnt ihr euch für eine Methode entscheiden. Denn gerade, wenn du nicht nur eine Schwangerschaft verhindern, sondern dich auch vor Geschlechtskrankheiten, wie beispielsweise Chlamydien, schützen möchtest, sind geeignete Barrieremethoden wie Kondome, ein gutes Mittel. Beim oralen Verkehr kannst du dich mit Lecktüchern vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützen.

Zumeist nehmen diejenigen, die schwanger werden können, die Verhütung in die Hand. Doch Verhütung betrifft grundsätzlich alle, die am Sex beteiligt sind. Daher lohnt es sich, das Thema offen anzusprechen und zu schauen, welche Verhütung sich in der jeweiligen Beziehungsstruktur als sinnvoll erweist. Bei einigen entscheidet auch der Praxistest, ob diese Methode für euch wirklich passt.

Quellen