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Free Bleeding – Das hat es mit der freien Menstruation auf sich!

Ein Leben ohne Tampons, Binden oder Menstruationstassen – eine Traumvorstellung! Der Trend „Free Bleeding“ lässt diesen Traum nun endlich Wirklichkeit werden. Bedeutet das jetzt, es immer und überall unkontrolliert laufen zu lassen? Natürlich nicht. Wie das genau mit der freien Menstruation funktioniert erfährt ihr hier:

Beim Free Bleeding wird auf Menstruationsprodukte verzichtet. So funktioniert die freie Menstruation
Beim Free Bleeding wird auf Menstruationsprodukte verzichtet. So funktioniert die freie Menstruation
© Unsplash/ Paweł Czerwiński

Ist Free Bleeding ein Rückschritt oder Fortschritt?

Nimmt man den Namen „Free Bleeding“ wörtlich, dann liegt der Trend des freien Blutens schon einige Jahrtausende zurück. Die Frauen damals waren nämlich wirklich dazu gezwungen ihr Blut einfach laufen zu lassen oder es mit unhygienischen Stoffen oder Tüchern zu unterbinden. Hinter der freien Menstruation von heute steckt allerdings eine gewisse Technik, sowie eine gesellschaftlicher Botschaft.

So funktioniert Free Bleeding

Um dauerhaft auf nervige Binden oder Tampons während der Periode verzichten zu können, ist es wichtig zu lernen, auf seinen Körper zu hören. Dazu gehört, genau zu wissen wann sich der nächste Blutschwall ankündigt. Um den Blutfluss auf der Toilette anzutreiben, den Beckenboden entspannen und gleichzeitig mit dem Becken vor und zurück wippen. Auch eine sanfte Unterbauchmassage kann dabei helfen. Je nach Menstruationszyklus nimmt das Blutablassen zwischen einer und fünf Minuten in Anspruch. Zehn Minuten und bis zu vier Stunden vergehen circa zwischen den einzelnen Schüben.

Dennoch sollte man sich als Frau darüber im Klaren sein, dass Free Bleeding nicht so sauber ist, wie beim Verwenden zum Beispiel einer Menstruationstasse. Es können Unfälle passieren. Vor allem bei Frauen, die eine starke Regelblutung haben, kann das Free Bleeding auch mal Wort wörtlich in die Hose gehen. Im Vorteil sind hier definitiv die Frauen, die auf hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille setzen, die die Periode schwächer ausfallen lassen.

Möchtest du Free Bleeding ausprobieren, kannst du es mit sogenannter Menstruationsunterwäsche ausprobieren. Hier sind die Slips im Schritt mit verschiedenen Schichten ausgestattet, die verhindern sollen, dass das Blut durch die Wäsche durchsickert. Versuche außerdem auf deinen Körper zu hören und festzustellen, welche Signale er dir sendet, bevor es zu einem neuen Blutschwall kommt. Mit der Zeit wirst du die Zeichen kennen und rechtzeitig zur Toilette gehen können. Auch Beckenbodenübungen können helfen, dem laufenden Blut Einhalt zu gebieten und mehr Kontrolle über das Auslaufen zu haben.

Wieso sollte ich Free Bleeding (nicht) ausprobieren?

Du wirst dich nun vielleicht Fragen, wieso manche Frauen freiwillig das Risiko eingehen blutige Flecken auf der Hose zu bekommen. Und wie bei allen Dingen gibt es auch für Free Bleeding Pros und Kontras

Die Pros für Free Bleeding:

  • Einige Frauen mögen das Gefühl eines Fremdkörpers nicht, das zum Beispiel Tampons oder Menstruationstassen auslösen
  • Auch Nachhaltigkeit ist ein Pro für viele Frauen. Tampons und Binden verursachen Tonnen von Müll, das durch Free Bleeding vermieden wird.
  • Andere Frauen ‚betreiben’ Free Bleeding aber aus politischen Gründen. Das Thema Periode ist selbst in der modernen Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Free Bleederinnen setzen mit dem freien Bluten ein Zeichen gegen die Stigmatisierung eines natürlichen körperlichen Vorgangs, der etwa die Hälfte der erwachsenen Welt-Population monatlich ereilt. Wieso solch ein Thema immer noch mit Fingerspitzen anfassen?
  • Ein anderer Grund für Free Bleeding war der Protest für weibliche Hygieneprodukte den vollen Steuersatz zu zahlen. In der Tat werden Tampons, Binden und Co. mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt, was bereits zu einigen Diskussionen geführt hat, welche Ende 2019 tatsächlich zum Erfolg führten. Seit Anfang 2020 werden Tampons und weitere Hygieneartikel nur noch mit 7 Prozent besteuert. Schade nur, dass scheinbar einige Hygieneartikel-Hersteller nun ihre Preise so angehoben haben, dass es für die Endverbraucherin im Endeffekt wieder auf den Selben Preis rauskommt. Dass die ein oder andere Frau sich da für das Free Bleeding entscheidet ist kein Wunder.

Die Kontras von Free Bleeding:

  • Wenn es dann doch einmal passiert und etwas in die Hose geht, kann es zu Flecken kommen, die zum einen deutlich sichtbar sein können und zudem nicht immer auswaschbar sind.
  • Das Periodenblut kann beim Free Bleeding einen unangenehmen Geruch verursachen.
  • Im Blut möglich befindliche Krankheiten sind schneller übertragbar.

Freies Menstruieren: Top oder Flop?

Ganz klar für den „Free Bleeding“ Trend spricht die Hygiene. Durch Tampons oder Binden riskieren wir immer wieder, dass Keime oder Bakterien den Weg in unsere Vagina finden und im schlimmsten Fall schmerzhafte Infektionen auslösen. Auch wird durch das nicht verwenden einer Vielzahl diverser Hygieneartikel der Müll drastisch reduziert, was uns die Umwelt danken wird. Der entscheidende Nachteil: Für Anfänger kann diese Methode auch mal ganz schnell in die Hose gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Toilette ist außerdem auch nicht immer und überall auffindbar.

Ein Trend der funktionieren kann aber nicht muss! Besonders Frauen mit starker Menstruationsblutung werden Probleme mit dieser Methode haben.

Quellen