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Habe ich zu große Schamlippen?

Zu große Schamlippen? Verformt? Zu lange Schamlippen? All das ist in den Augen mancher Frauen ein Problem. Aber gibt es sowas wie zu große Labien überhaupt und macht eine Schamlippenverkleinerung oder Schamlippenkorrektur Sinn?

Sind meine Schamlippen zu groß?
Sind meine Schamlippen zu groß?
© Bigstock / Munimara

Große Schamlippen: Gibt es sowas überhaupt?

Viele Frauen empfinden ihre inneren Schamlippen zu groß oder zu lang, gerade wenn sie unter den äußeren Schamlippen hervorragen. Große Schamlippen werden so schnell zu einer Problemzone.

Aber gibt es zu große oder zu lange Schamlippen eigentlich? Was ist dann die ‚normale‘ Form und Größe der Labien? Schweizer Gynäkologen untersuchten das vaginale Erscheinungsbild von über 650 Frauen. Hier schwankte die Länge der inneren Schamlippen zwischen fünf und 100 Millimeter. Im Durschnitt sind die inneren Labien also etwa 42,5 Millimeter lang. Dieser Wert gibt jedoch keine „Normalgröße“ der Schamlippen an.

Ada Borkenhagen von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig erklärt gegenüber dem Nachrichtenmagazin Welt: „Es liegen bisher keine validen Studien über Länge und Größe der äußeren weiblichen Genitalien vor!“ Die meisten Ärzte und Wissenschaftler sind einig, dass es bei der Größe der Labien keinen Normwert gibt.

Das heißt: Jeder Schambereich sieht anders aus. Und auch, wenn du große Schamlippen hast und die inneren Labien über die äußeren ragen, besteht kein Grund zur Sorge oder Scham. Denn das ist vollkommen normal. Übrigens werden in vielen Kulturkreisen größere Schamlippen als besonders ästhetisch und weiblich angesehen.

Kann ich zu große Schamlippen verkleinern lassen?

Ja – mit Schamlippenverkleinerungen und -korrekturen können die Labien verändert werden. Jedoch ist die Verkleinerung nur in den seltensten Fällen medizinisch notwendig und sinnvoll. Wann ist es medizinisch notwendig, Schamlippen verkleinern zu lassen?

 

Wann ist eine Schamlippenverkleinerung sinnvoll?

Da es keinen Normwert für Labien gibt, ist es schwer zu bestimmen, ob du einfach nur große Schamlippen hast, oder eine krankhafte Vergrößerung – eine sogenannte Labienhypertrophie – vorliegt. Deswegen fordern viele Ärzte, dass Normalmaße für die Labien definiert werden. So könnte besser unterschieden werden, wann eine Operation notwendig ist.

Doktor Patricia Oppelt von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie geht davon aus, dass der steigende Wunsch nach Schamlippenverkleinerung beziehungsweise Schamlippenkorrektur mit dem Trend der Komplettenthaarung des Schambereichs einhergeht. Dadurch werden vermeintliche Makel wie große Schamlippen deutlicher sichtbar.

Medizinisch gesehen ist es erst dann notwendig, große Schamlippen verkleinern zu lassen, wenn die Frau körperlich darunter leidet. Diese Gründe können eine Schamlippenverkleinerung notwendig machen:

  1. Eingeschränkte Schutzfunktion
    Krankhaft große innere Schamlippen – also zu lange Schamlippen – können zur Folge haben, dass sie nicht mehr ausreichend von den äußeren Labien geschützt werden.
  2. Schmerzen
    Klagen Frauen über Schmerzen beim Sex oder in alltäglichen Situationen wie Radfahren – oder führen große Schamlippen zu Orgasmus-Problemen, kann eine operative Verkleinerung sinnvoll sein.
  3. Schwere psychische Probleme
    Manche Frauen leiden so sehr darunter, größere Schamlippen zu haben, dass das zu einer Einschränkung ihres Sexlebens und ihres normalen Alltags führt. Auch hier kann eine Schamlippenkorrektur zu einer Besserung führen.

Kleine Schamlippen als absurder Trend

Dennoch erwägen immer mehr Frauen aus rein optischen Gründen, vermeintlich große Schamlippen chirurgisch verkleinern zu lassen. Eine Pressemitteilung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen aus dem Jahr 2016 zeigt den Trend: Wo „2014 rund 1.800 Operationen in der Intimzone durchgeführt, waren es im [Folgejahr] schon über 2.100 Eingriffe.“

Dieser Trend zeigt, wie absurd der weltweite Schönheitswahn inzwischen ist. Frauen lassen sich ihre Labien – eine Stelle, die eigentlich gar keine Perfektion kennt – operieren und gehen damit einige Risiken ein.

Risiken der Schamlippenverkleinerung

Das Thema beschäftigt auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) beschäftigt. In einer Pressemitteilung erklärt der DGGG-Präsident Professor Rolf Kreienberg, dass „Risikoeinschätzungen und Komplikationsraten dieser OPs fehlen oder […] verharmlost“ werden. Außerdem gäbe es keine Daten, die nachweisen, dass die psychischen Probleme nach der OP auch sicher wieder verschwinden.

Die DGGG nennt auch einige mögliche Folgen einer Schamlippenverkleinerung:

  • Wundheilungsstörungen
  • Entzündungen
  • Narbenbildungen
  • Nervenstörungen mit verringerter sexueller Empfindlichkeit
  • Veränderte Empfindungen
  • Funktionsbeeinträchtigung der Genitalien

Im schlimmsten Fall kann es dir also passieren, dass du deine Schamlippen aus optischen Gründen verkleinern lässt und dann bleibende Narben und weniger Gefühl hast.

Große Schamlippen verkleinern: Kosten

Ob du die Schamlippenverkleinerung selbst zahlen musst, hängt davon ab, ob medizinische Gründe vorliegen. Dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten meist ganz oder teilweise. Ob ein Eingriff sinnvoll und notwendig ist, entscheidet dein Arzt – er klärt dich auch über mögliche Risiken auf.

Eine Schamlippenverkleinerung aus rein ästhetischen Gründen gilt als normale Schönheitsoperation. Die Kosten dafür belaufen sich je nach Klinik auf rund 3.000 Euro – und du musst sie selbst tragen.

Die perfekten Schamlippen gibt es nicht!

Dass es die perfekten Schamlippen einfach nicht gibt, beweist der britische Künstler Jamie McCarthy, der 400 Vagina-Gipsabdrücke von Frauen zwischen 18 und 64 gesammelt hat. Alle sind verschieden – und auf ihre Art schön!

Quellen