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Sind Phytoöstrogene eine Alternative zur Hormonersatztherapie?

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
© Pexels/ Polina Tankilevitch

Die Hormonersatztherapie galt lange Zeit als wirksame Behandlungsmethode starker Wechseljahresbeschwerden, birgt jedoch – wie zwischenzeitlich zahlreiche Studien belegen – eine Reihe gesundheitlicher Risiken.

Als sanfte Alternative werden am Markt zunehmend Präparate auf der Basis pflanzlicher Hormone, sogenannter Phytoöstrogene, zur Linderung von Hitzewallungen und zum Schutz vor Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderer altersbedingter Leiden angeboten.

Umfragen zufolge greifen in Deutschland rund 15% der Frauen vor allem bei leichten Wechseljahresbeschwerden auf rezeptfreie pflanzliche Arzneimittel zurück, da sie als natürlich und somit als unbedenklich eingeschätzt werden. Unumstritten ist deren Wirkung jedoch nicht.

Was sind eigentlich Phytoöstrogene?

Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östradiol ähneln. Sie kommen in unterschiedlicher Konzentration in rund 300 verschiedenen Pflanzen vor. Phytoöstrogene lassen sich in vier Gruppen von Pflanzenstoffen unterteilen:

  • Isoflavone: Daidzein und Genistein
  • Lignane: Enterolacton und Enterodiol
  • Coumestane
  • Stilbene: Resveratrol

Phytoöstrogene können nicht nur über Medikamente zugeführt werden, sie sind auch in vielen Lebensmitteln enthalten. In der Ernährung spielen vor allem Isoflavone und Lignane eine Rolle, da sie in größeren Mengen in verschiedenen Nahrungsmitteln vorkommen.

Wie wirken die pflanzlichen Hormon-Präparate?

Aufgrund ihrer ähnlichen chemischen Struktur ahmen Phytoöstrogene die hormonelle Wirkung von Östradiol nach, indem die pflanzlichen Substanzen an die gleichen Rezeptoren wie Östrogen gebunden werden.

Im Vergleich zum menschlichen Hormon liegt die Wirkung der pflanzlichen Hormone jedoch nur bei einem Fünfhundertstel bis Tausendstel. Wegen dieser geringen Aktivität ist die Wirksamkeit in wissenschaftlichen Kreisen äußerst umstritten, zudem sind potenzielle Nebenwirkungen häufig Gegenstand der Diskussion.

Hinsichtlich vasomotorischer Wechseljahresbeschwerden sind Soja-Präparate die am besten untersuchten pflanzlichen Mittel. Studien zufolge können Soja-Isoflavone Stärke und Häufigkeit von Hitzewallungen leicht verringern.

Dabei zeigen hoch dosierte Mittel eine stärkere Wirkung als niedriger dosierte Präparate. Bei längerer Einnahme und hoher Dosierung können jedoch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Rotklee gehört zwar ebenfalls zur Gruppe der Isoflavone, bisherige Studien konnten allerdings keine vorteilhafte Wirkung hinsichtlich Wechseljahresbeschwerden nachweisen. Zudem kann es bei Einnahme von Rotklee-Produkten zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen.

Generell empfiehlt es sich, vor der Einnahme entsprechender Arznei- oder Nahrungsergänzungsmittel ärztlichen Rat einzuholen, um sich über mögliche Nebenwirkungen zu informieren und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vorzubeugen.

Das gilt auch für die Einnahme weiterer rezeptfreier pflanzlicher Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden, die zum Beispiel Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga), Ginseng oder Mönchspfeffer enthalten.

Welche Lebensmittel enthalten Phytoöstrogene?

Wer den Effekt von pflanzlichen Hormonen gerne selbst ausprobieren möchte, muss nicht auf teure Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke zurückgreifen. Phytoöstrogene kommen auch in zahlreichen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Deren Aufnahme in den Speiseplan hat zudem den Vorteil, dass gleichzeitig noch andere wichtige Nährstoffe aufgenommen werden.

  • Die größte Menge an Isoflavonen ist in Sojabohnen und daraus hergestellten Nahrungsmitteln wie Miso, Tofu und Sojamilch enthalten. Fermentationsprozesse wie beispielsweise bei der Herstellung von Miso erhöhen die Phytoöstrogen-Konzentration und verbessern die Verfügbarkeit für den Körper.
  • Besonders reich an Lignanen sind Leinsamen und Kürbiskerne. In geringerer Menge sind sie zudem in Erdbeeren, Oliven, Sonnenblumenkernen, Hafer- und Weizenkleie sowie in Gemüsesorten wie Kürbis, Spargel, Karotten und Brokkoli enthalten.
  • Einen hohen Anteil an Coumestanen weisen Alfafa-Sprossen auf, Resveratrol findet sich in Trauben, Erdnüssen und Beeren.

Der Phytoöstrogen-Gehalt variiert nicht nur nach Pflanzengattung, sondern ist zusätzlich auch von Verarbeitungsart, Erntezeitpunkt und Lagerungsbedingungen abhängig.

Schadet der Verzehr von Sojaprodukten bei Brustkrebs?

Da Isoflavone, die in hoher Konzentration in Soja vorkommen, in ihrem Aufbau dem weiblichen Sexualhormon 17-ß-Östradiol ähneln, taucht immer wieder die Frage auf, ob der Verzehr von Sojaprodukten bei Brustkrebs-Patientinnen das Tumorwachstum fördern könnte.

Anders als in Südostasien ist Soja in unseren Breitengraden kein Hauptbestandteil der Ernährung. Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, nehmen jedoch häufig größere Mengen an sojahaltigen Nahrungsmitteln zu sich.

Nach Einschätzung nationaler und internationaler Fachgesellschaften gilt ein moderater Verzehr von Sojaprodukten in Form von ein bis zwei Portionen pro Tag für Brustkrebs-Patientinnen und -Überlebende als unbedenklich. Dabei entspricht eine Portion etwa 250 ml Sojamilch oder 100 g Tofu.

Nach Ansicht des World Cancer Research Funds (WCRF) kann Soja als Nahrungsmittel nach einer Brustkrebserkrankung – neben einem normalen Körpergewicht, regelmäßiger Bewegung und einer fettarmen, ballaststoffreichen Ernährung – zu einem gesunden Lebensstil beitragen.

Da es bislang noch keine wissenschaftlichen Studien gibt, kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass Isoflavone in größerer Menge das Risiko eines Rückfalls bei Brustkrebs steigern. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät daher Frauen mit oder nach einer hormonabhängigen Brustkrebserkrankung von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Soja-Isoflavonen unbedingt ab.

Quellen

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