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Pinky Gloves: Das wohl unnützeste Periodenprodukt aller Zeiten

© Unsplash/ Monika Kozub

Zwei Männer „erfinden“ pinke Handschuhe, mit denen Frauen Tampons entfernen und entsorgen können. Eine Kritik am wohl unnützesten Periodenprodukt aller Zeiten.

Pinky Gloves – unnötig & stigmatisierend

In der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“ stellen Unternehmensgründer ihre Ideen vor, um Investoren für ihre Produkte zu finden. In der Vergangenheit hat die Show schon einige raffinierte Produkte hervorgebracht – zum Beispiel einen gutriechenden Duftspender-Abfluss-Stöpsel oder einen lichthärtenden Kleber.

Ein Produkt, das in einer aktuellen Folge vorgestellt wurde, fällt in die Kategorie „total unnötig“ und „stigmatisierend“.

Bei den sogenannten Pinky Gloves, entwickelt von zwei Männern wohlbemerkt, handelt es sich um pinke Einweghandschuhe, die Frauen bei der Entsorgung von Menstruationsprodukten helfen soll.

„Wir beide sind echte Frauenversteher“

Die beiden „Frauenversteher“ (ja, so beginnen die beiden Männer wirklich ihren Pitch) wollen mit ihrer „Erfindung“ den Frauen das Leben einfacher machen. In Situationen, in denen Frauen ihre Tampons und Binden nicht „hygienisch“ entnehmen können (auf Festivals oder in fremden Haushalten) soll der Plastikhandschuh dazu genutzt werden, die Menstruationsartikel anzufassen und dann darin einzuwickeln.

Benutzte Tampons zu sehen, ist „ziemlich unangenehm“ für Männer

Auf die Idee sind die beiden übrigens gekommen, weil sie im Bademülleimer ihrer WG Tampons gesehen haben, die in Toilettenpapier eingewickelt waren. Das sei „ziemlich unangenehm“ für die Männer gewesen.

Das Thema Periode ist noch immer ein großes Tabu. Viele menstruierende Menschen kaufen ungern Tampons, verstecken Binden in Ärmeln, um sie ins Klo zu schmuggeln, und haben riesen Angst, dass irgendjemand bemerkt, dass sie ihre Tage haben. Dass sie jetzt auch noch die Tampons im eigenen Bad „verstecken“ sollen, ist absurd.

Warum muss es so ein Produkt überhaut geben?

Menstruierende haben schon vorher den Tampon mit den Fingern gewechselt – auch auf Festivals und in fremden Bädern. Gibt es keine Hygienebeutel, dann wird Toilettenpapier zum Einwickeln benutzt. Wird der Mülleimer regelmäßig geleert, riecht darin auch nichts.

Wo ist also das Problem? Wieso brauchen wir dieses Menstruationsprodukt? Und warum muss es pink sein?

Sind wir mal ehrlich – es handelt sich hierbei nicht um ein Produkt, dass Frauen das Leben einfacher macht, sondern um eines, das Männeraugen vor dem Anblick eines benutzten Tampons bewahrt (ein unvorstellbarer Horror!).

Pinky Gloves in der Kritik – unnötig, umweltschädlich & Co.

Auf den sozialen Medien haben die Pinky Gloves einen richtigen Shitstorm losgelöst – unter dem Hashtag #PinkyGate äußern User ihre Kritik.

Vor allem Menschen, die selbst menstruieren, kritisieren neben der Produktidee auch die Präsentation der Gründer.

Autorin Franka Frei schreibt beispielsweise in einem Instragram Post:

„Kann doch nicht sein, dass zwei Typen Geld damit machen, indem sie Menstruierenden einreden, ein weiteres absurdes Produkt zu brauchen, um die Periode, die ja so unfassbar ekelhaft ist, bestmöglich zu vertuschen.“

Sie findet das Produkt einfach nur überflüssig und ökologisch verwerflich.

In Zeiten, in denen waschbare Periodenprodukte sowie Menstruationscups immer beliebter werden, ist der Einmalhandschuh für Tampons absurd. So wird nur noch mehr Müll produziert – von den zusätzlichen Kosten fangen wir jetzt gar nicht erst an!

Übrigens haben sich die Gründer mittlerweile zur Kritik geäußert. In einem Statement heißt es:

„Selbstverständlich ist die Menstruation etwas ganz Natürliches, wofür sich überhaupt niemand schämen muss oder sollte“. Die Periode sei „selbstverständlich weder schmutzig noch unhygienisch“. Ihre Message hätten sie einfach nicht optimal rübergebracht.

Pinky Gloves bekommen Investment – bessere Produkte gehen leer aus

Die Männer der Jury überzeugte der Pitch der beiden. Der pinke Einweghandschuh mit Klebestreifen fand einen Investor. Mit 30.000 Euro unterstützt er das Unternehmen.

Der Knaller: Vor zwei Jahren stellte sich Ooia, ein Unternehmen (von Frauen), das nachhaltige Periodenunterwäsche herstellt, bei der „Höhle des Löwen“ vor. Für die waschbaren Periodenslips, die eindeutig brauchbarer, besser für die Umwelt und auf Dauer kostengünstiger sind, fand sich kein Investor.

Pinky Gloves: ein Fazit

Dass Menstruation immer noch ein Tabu-Thema ist, ist keine Frage. Viele Männer und auch viele Frauen verbinden das Thema immer noch mit viel Ekel – das beweisen auch Kommentare von US-Amerikanerinnen in Europa, die das Einführen ohne die Einführungshilfe unangenehm finden.

Die Erfindung solcher Produkte – sowie die Präsentation auf diese Art – stigmatisieren die Periode nur noch weiter.

Natürlich gibt es auch Menstruierende, die das Produkt gut finden und auch nutzen werden. Hier stellt sich dann aber die Frage:

Kann ich mir nicht einfach Latexhandschuhe aus dem Drogeriemarkt kaufen? Die gibt es sogar in verschiedenen Farben. Pinke für die Tampons, Braune für Hundekot und Grüne zum hygienischen Nasebohren.

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