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Vorzeitige Wechseljahre: Menopause unter 40?

Unregelmäßige Monatsblutungen, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen – Symptome, die viele Frauen um die 50 kennen und das Einsetzen der Wechseljahre ankündigen. Aber was ist, wenn sich diese Anzeichen schon mit 35 einstellen? Kann man tatsächlich unter 40 schon in die Wechseljahre kommen? Und was bedeutet das für betroffene Frauen?

Kann man tatsächlich unter 40 schon in die Wechseljahre kommen?
Kann man tatsächlich unter 40 schon in die Wechseljahre kommen?
© Pexles/ Engin Akyurt

In diesem Artikel:

Mediziner sprechen von vorzeitigen Wechseljahren oder Klimakterium praecox, wenn die Eierstöcke bereits vor dem 40. Lebensjahr ihre Funktion einstellen. Schätzungen zufolge sind rund 1% aller Frauen davon betroffen, 0,3% sogar schon unter 35. Doch wie kommt es dazu, dass die Menopause zehn bis 15 Jahre früher als üblich eintritt?

Ursachen für verfrühte Wechseljahre

Die Gründe können ganz unterschiedlich sein und lassen sich häufig nicht eindeutig benennen. Der Beginn der Menopause wird von zahlreichen Faktoren bestimmt, wobei die genetischen Anlagen den größten Einfluss haben. Oft ziehen sich vorzeitige Wechseljahre wie ein roter Faden durch mehrere Frauen-Generationen einer Familie.

Rauchen kann ebenfalls ein Grund für die verfrühte Menopause sein. Groß angelegten Studien zufolge setzen bei Raucherinnen die Wechseljahre etwa zwei Jahre früher ein als bei Nichtraucherinnen.

Zudem wirken sich medizinische Ursachen auf die Funktion der Eierstöcke aus wie etwa

  • die Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter
  • eine Chemotherapie bei Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen
  • Virusinfektionen, z.B. Mumps

Bei vielen betroffenen Frauen liegen jedoch keine dieser Risikofaktoren vor und die Gründe für die vorzeitige Menopause lassen sich trotz eingehender Untersuchungen nicht erklären.

Wie lassen sich vorzeitige Wechseljahre eindeutig feststellen?

Eine unregelmäßige Menstruation, plötzliche Schweißausbrüche und Schlafstörungen können, müssen aber nicht zwangsläufig Anzeichen für eine verfrühte Menopause sein. Auch bei übermäßigem Stress oder veränderten Lebensumständen kann der Zyklus verrückt spielen.  Ein Menopausen-Selbsttest aus der Apotheke kann zwar Aufschluss über den Gehalt des Follikelstimulierenden Hormons FSH im Urin geben, ob die körperlichen Beschwerden jedoch die Menopause ankündigen oder es sich lediglich um Hormonschwankungen handelt, ist mit solchen Tests nicht eindeutig nachzuweisen.

Klarheit bringt nur ein Besuch beim Frauenarzt: Auf Basis einer ausführlichen Anamnese, körperlicher und gynäkologischer Untersuchungen sowie einer Messung des Hormonspiegels im Blut wird festgestellt, ob tatsächlich schon die Wechseljahre eintreten und welche Therapie im Einzelfall geeignet ist.

Hormonpräparate zur Vorbeugung gesundheitlicher Risiken

Eine Hormonersatztherapie wird heutzutage bei klimakterischen Beschwerden eher selten eingesetzt. Bei frühzeitigen Wechseljahren ist die Einnahme von Hormonpräparaten jedoch ratsam. Bedingt durch den gesunkenen Östrogenspiegel steigt das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während Frauen, die um die 50 in die Wechseljahre kommen, bei einem gesunden Lebensstil meist über einen ausreichenden Hormonvorrat verfügen und bis zum Lebensende geschützt sind, ist das bei jüngeren Frauen nicht der Fall. Die Hormonersatztherapie wird im Allgemeinen bis zu dem Zeitpunkt empfohlen, an dem die Menopause üblicherweise eintreten würde. Zusammensetzung und Auswirkungen der Hormonbehandlung sollten vom Arzt jedoch regelmäßig überprüft werden.

Bei körperlichen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen können zusätzlich pflanzliche Heilmittel, Entspannungstechniken und insgesamt ein gesunder Lebenswandel mit regelmäßiger Bewegung, bewusster Ernährung und dem Verzicht auf einen übermäßigen Konsum von Genussmittel wie Alkohol und Tabak helfen.

Abschied vom Kinderwunsch

Viel schlimmer trifft die meisten Frauen, die bereits mit Mitte oder Ende 30 in die Wechseljahre kommen, die Tatsache, dass eine Schwangerschaft nicht mehr möglich ist. Besonders dann, wenn die betroffene Frau noch keine Kinder hat und die Familienplanung zugunsten der Karriere nach hinten geschoben hatte.

Entdeckt man die vorzeitigen Wechseljahre in einem frühen Stadium, wenn die Frau noch eine unregelmäßige Periode und eine Reserve an Eizellen hat, besteht weiter eine geringe Möglichkeit schwanger zu werden. Einige Gynäkologen empfehlen in diesen Fällen eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation), um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Unterstützung für betroffene Frauen

Der Abschied von Kinderwunsch und Fruchtbarkeit ist schwer und auch die veränderte Sexualität nach der Menopause macht betroffenen Frauen sehr zu schaffen. Viele leiden unter trockener Vaginalschleimhaut und einem Verlust der Libido, fühlen sich nicht mehr attraktiv und scheuen sich, mit dem Partner, Freunden und Familie über den Eintritt der Wechseljahre und die damit einhergehenden Veränderungen zu sprechen.

Hilfreiche Unterstützung können in dieser schwierigen Lebenssituation Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen geben. Entsprechende Anlaufstellen vor Ort kann man beim Frauenarzt erfragen oder Organisationen wie z.B. ProFamilia.

Einen regen Austausch, persönliche Erfahrungen und Informationen über neue Behandlungsoptionen bietet die weltweit größte Selbsthilfegruppe The Daisy Network, die auch in Deutschland informelle Treffen veranstaltet.

Quellen