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Ärzte protestieren nackt für mehr Schutzkleidung

Deutsche Hausärzte protestieren im Zuge der Aktion #blankebedenken in und vor ihren Praxen – und das ganz nackt! Der Hintergrund: Ihnen fehlt Schutzkleidung – und auch der Respekt der Politik.

Ärzte protestieren nackt: Ihnen geht die Schutzkleidung aus
Ärzte protestieren nackt: Ihnen geht die Schutzkleidung aus
© blankebedenken.org

Ärzte und Arzthelfer: Helden in der Pandemie

Am Anfang der Corona-Pandemie hieß es aus der Politik noch, dass Deutschland „gut vorbereitet“ sei. Die Realität: Schutzkleidung, Einmal-Masken und Desinfektionsmittel waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen – und wer ging hier leer aus? Die Menschen, die den Schutz am meisten brauchen!

Ärzte und medizinisches Personal, das sich Tag für Tag um potenziell Infizierte kümmert und sich ohne genug Schutz vielleicht selbst anstecken könnte. Vor allem in Hausarzt-Praxen von ist Schutzkleidung derzeit immer noch Mangelware.

Trotzdem versorgen die Ärztinnen und Ärzte sowie die Arzthelfer weiterhin ihre Patienten – auch, wenn das mit einem höheren Infektionsrisiko für sie selbst einhergeht.

Ärzte ziehen blank – #blankebedenken

In Rahmen der Aktion „Blanke Bedenken“ lassen deutsche Hausärzte alle Hüllen fallen. Sie zeigen sich nackt – schutzlos – ausgeliefert. Genau das ist der Punkt! Ohne genug Schutzkleidung sind die Ärzte dem Coronavirus schutzlos ausgeliefert.

Inspiriert wurde die Aktion vom französischen Arzt Alain Colombié. Er fotografierte sich schon vor einigen Monaten nackt in seiner Praxis, um Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Er hat das Bild als „Kanonenfutter“ bezeichnet – denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Hausarzt Ruben Bernau bringt die Sache auf den Punkt: „Die Nacktheit soll symbolisieren, dass wir ohne Schutz verletzlich sind!“ Er selbst weiß genau, wovon er spricht – sein eigenes Praxisteam verfügt nur unzureichend über Schutzkleidung.

Auf der Webseite der Aktion (blankebedenken.org) heißt es: „Um Sie sicher behandeln zu können, brauchen wir Schutzausrüstung. Wenn uns das Wenige ausgeht, das wir haben, dann sehen wir so aus.“

„Man hat uns lange alleine gelassen!“

Es fehlt den Ärzten aber nicht allen an Schutzkleidung – auch der Respekt und die Unterstützung der Politik kommt zu kurz. „In der aktuellen Krise hat man uns lange alleine gelassen“, heißt es in der Online-Petition zur Aktion.

In der Petition verdeutlichen die Mediziner, in welchen Bedingungen sie in der Pandemie arbeiten mussten:

Um trotz fehlender Schutzausrüstung unsere Patient/innen zu versorgen, haben wir uns selbst geholfen. Wir haben Schutzschilde gebastelt, Masken und Kittel genäht oder nähen lassen. Wir haben Fieberambulanzen für potentiell-infektiöse SARS-CoV-2-Patienten gegründet oder Infektsprechstunden in den Praxen eingerichtet. Wir sind für unsere Patient/innen da: persönlich, oder – zu unserem und ihrem Schutz – am Telefon, via Email oder Videosprechstunde.

Wo bleibt die Hilfe der Politik?

Bei der Aktion geht es aber nicht nur darum, dass mehr Schutzkleidung bereitgestellt werden soll. In der Petition fordern die Ärzte auch gesetzliche Regelungen, die ihre Arbeit nicht behindern. Hausärztin Dr. Jana Husemann betont:

Wir wollen und müssen unsere Patienten weiter gut versorgen, gerade diejenigen, die nicht auf eine persönliche Untersuchung durch uns Ärzte verzichten können. Dazu zählen sowohl solche mit chronischen Krankheiten, akuten Wunden oder Pflegebedürftige, aber natürlich auch die Menschen, die aufgrund einer Corona-Erkrankung (CoViD-19) unsere Hilfe benötigen.

Natürlich ist eine Versorgung der Patienten nicht möglich, wenn die Ärzte selbst infiziert sind oder, wenn die Politik keine Hausbesuche und Visiten bei sterbenden, depressiven und einsamen Menschen erlaubt.

„Unnötige Ansteckungen sind zu befürchten!“

Ein kleines Entgegenkommen der Politik gibt es bereits: die Ausnahmeregelung zur telefonischen Feststellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei leichten Atemwegsinfekten wurde verlängert. Jedoch nur nach massivem Prostest! Und auch nur bis zum 4. Mai. Moritz Eckert erklärt, warum das viel zu kurz ist:

Anfang Mai ist die Pandemie noch lange nicht vorbei. Warum sollten wir potentiell infektiöse Patientinnen und Patienten, denen es gut genug geht, dass sie eigentlich keinen ärztlichen Rat brauchen, in der Praxis untersuchen? Dort treffen sie auf teilweise ältere oder chronisch kranke Patientinnen und Patienten, aber auch Praxis-Teams. Unnötige Ansteckungen sind zu befürchten.

Italien und Spanien machen deutlich, wie wichtig die Schutzausrüstung für medizinisches Personal ist. Die Infektions- und Sterberate von Ärzten sind in beiden Ländern in die Höhe geschossen, als Schutzkleidung vergriffen war. Damit es in Deutschland nicht auch zu solchen Situationen kommt, müssen Politiker die Anmerkungen und Räte von Ärzten und medizinischem Personal berücksichtigen.

Denn: Ärzte sind für uns da. Auch in der Krise…wenn man sie nur lässt.

Quellen