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Warum Frauen länger leben als Männer

In Deutschland lag die durchschnittliche Lebenserwartung laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung im Jahr 2016 für Frauen bei 83,3 Jahren. Für Männer nur bei 78,5 Jahren. Warum Frauen länger leben als Männer, liest du hier.

Mögliche Gründe für den Geschlechterunterschied
Mögliche Gründe für den Geschlechterunterschied
© Unsplash/ Alex Harvey 🤙🏻

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt im „World Health Statistics“-Bericht vier mögliche Gründe, warum Frauen länger leben als Männer.

1. Frauen gehen öfter zum Arzt

Frauen gehen laut dem Bericht bei denselben Beschwerden früher und öfter zum Arzt als Männer. Krankheiten können so früher entdeckt und behandelt werden. Bei Männern kann es dadurch zu Folgeschäden kommen.

2. Frauen haben einen gesünderen Lebensstil

Männer machen einen großen Teil der Raucher aus – sie trinken außerdem im Durchschnitt mehr Alkohol als Frauen. Beide Genussmittel haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Frauen beschäftigen sich außerdem öfter mit Themen wie Ernährung, gesundes Leben oder auch mentale Gesundheit.

 

Eine Klosterstudie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ergab, dass Nonnen und Mönche in Klöstern fast gleichalt werden. Das legt nahe, dass biologische Faktoren allein nicht ausschlaggeben sind, sondern Lebensstil, Beruf und andere Umwelteinflüsse die Lebenserwartung beeinflussen.

3. Weniger Frauen sterben bei Unfällen

Das liegt aber nicht daran, dass Frauen sicherer fahren oder weniger rasen – sondern daran, dass Männer öfter im Straßenverkehr arbeiten als Frauen. Laut dem Bericht verdoppelt sich das Risiko, in einem Verkehrsunfall zu sterben, bei Jungen ab dem 15. Lebensjahr gegenüber Frauen.

4. Frauen haben ein besseres Immunsystem

Laut dem Bericht ist das zusätzliche X-Chromosom von Frauen auch dafür verantwortlich, dass sie ein besseres Immunsystem haben. Beispielsweise überleben mehr Mädchen als Jungen Kinderkrankheiten und Infektionen.

Sind die Gene dafür verantwortlich?

Viele Forscher nehmen an, dass die Gründe für die unterschiedlichen Lebenserwartungen in der Genetik zu finden sind. Eine Studie University of New South Wales hat genau das untersucht. Laut den australischen Forschern sind die Chromosomen für die unterschiedlichen Lebenserwartungen verantwortlich.

Bei Säugetieren haben Weibchen nämlich zwei X-Chromosomen (Homogametrie), Männchen ein X- und ein Y-Chromosom (Heterogametrie). Diese Homogametrie bei Frauen soll dafür verantwortlich sein, dass Frauen im Schnitt länger leben.

Denn die Erbinformationen sind bei zwei gleichen Chromosomen doppelt vorhanden – sollte ein Chromosom beschädigt sein (zum Beispiel durch eine Mutation) sind die Informationen nicht verloren.

In der Studie wurden nicht nur Säugetiere, sondern auch andere Spezies untersucht, bei denen Männchen die Homogametrie haben – das ist zum Beispiel bei Vögeln der Fall. Das Ergebnis:

  • Homogametische Weibchen (dazu gehört auch die Frau) leben um 20,9 Prozent länger als ihre Männchen.
  • Homogametische Männchen (zum Beispiel Vögel) leben um 7,1 Prozent länger als ihre Weibchen.

Die Rolle von Östrogen

Die Wissenschaftler vermuten auch, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine positive Auswirkung auf die Lebenserwartung haben kann. Östrogen fördert nämlich die Produktion von Telomerase. Dieses Enzym umgibt die Chromosomen und schützt die DNA.

Könnte sich das bald ändern?

Sowohl die Genetik wie auch der Lebensstil können also die Lebenserwartung beeinflussen. Deswegen vermuten einige Experten auch, dass der Geschlechterunterschied der Lebenserwartung in den nächsten Jahren abnehmen könnte. Denn: Immer mehr Frauen besetzten stressige Chefpositionen – und immer mehr Männer interessieren sich für Achtsamkeit und gesundes Leben.

Frauen werden zwar immer einen biologischen Vorteil haben – bezüglich der Lebensweise können Männer aber aufholen.

Quellen