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Vitaminpräparate: sinnvoll, nutzlos, schädlich?

Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel findest du in jeder Drogerie, im Supermarkt und in der Apotheke. Aber: Musst du überhaupt Vitaminpräparate nehmen? Und wirken die Nahrungsergänzungsmittel eigentlich so, wie sie versprechen? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Welche Präparate lohnen sich für wen?
Welche Präparate lohnen sich für wen?
© Unsplash/ Kayla Maurais

Immer wieder wird diskutiert, ob Nahrungsergänzungsmittel wirklich nötig oder ratsam sind. Schon mal vorweg: Eine klare Antwort kann man hier nicht geben. Denn: Bestimmte Präparate lohnen sich für einige Bevölkerungsgruppen – andere sind eher schädlich als wirksam.

Warum greifen so viele Leute überhaupt zu Vitaminpillen?

Schätzungen zufolge nehmen etwa ein Drittel der Deutschen regelmäßig Vitaminpräparate oder andere Nahrungsergänzungsmittel ein. Etwa 165 Millionen Packungen sollen jährlich in Deutschland verkauft werden. Deswegen sind sie solche Verkaufshits:

  • Nahrungsergänzungsmittel sehen fast genauso wie richtige Medikamente aus und vermitteln uns dadurch Sicherheit. Menschen denken, sie können den Vitaminen genauso vertrauen wie den Arzneien – obwohl das gar nicht stimmt.
  • Nahrungsergänzungsmittel scheinen der perfekte Ersatz zu sein. Sie sind preiswert, versorgen dich schnell mit Vitaminen und, als Brausetabletten und Säfte schmecken sie außerdem gut.

Vitamintabletten können keine gesunde Ernährung ersetzen!

Nahrungsergänzungsmittel tragen es ja schon im Namen – sie sollen ergänzend zu einer ausgewogenen Ernährung genutzt werden. Nicht ersetzend.

Sind Vitaminpräparate bei gesunden Menschen sinnvoll?

Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel sollen einen Mangel ausgleichen. Dieser entsteht bei gesunden Menschen, die sich ausgewogen ernähren jedoch gar nicht. In Deutschland ist den allermeisten eine vielseitige und ausgewogene Ernährung vielen Menschen möglich.

Bei gesunden Menschen können Vitaminpräparate sogar eher schädlich als hilfreich sein. Experten erklären das so: Durch die Ergänzungsmittel in Zusammenhang mit einer vitaminreichen Ernährung bekommt der Körper zu viele Nährstoffe auf einmal. Diese Nährstoffe kann der Körper gar nicht verarbeiten – viele davon werden einfach wieder ausgeschieden.

Das spricht außerdem gegen die Vitamintabletten

  • Vitamintabletten sind ineffektiver als Vitamine aus der Nahrung. Da du die Nahrung nämlich erst verdauen musst, hat dein Körper mehr Zeit, die Vitamine und Nährstoffe zu verarbeiten.
  • Vitamintabletten können die Wirkung von Medikamenten verstärken oder abschwächen. Nebenwirkungen können auch ausgelöst oder verstärkt werden.
  • Die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln wird nicht getestet. Es gibt Studien über die Wirksamkeit von Vitaminpillen, die keinen eindeutigen Nachweis darüber finden konnten.
  • Nahrungsergänzungsmittel werden nicht wie Medikamente vor dem Verkaufsstart untersucht, sondern erst, nachdem sie schon auf dem Markt sind. Und auch dann nur stichprobenartig.
  • Es ist außerdem recht schwer, eine Überdosis an Vitaminen durch die Nahrung aufzunehmen. Dir würde davor schon ungut oder übel werden – aber durch die Tabletten kannst du schnell zu viele Nährstoffe und Vitamine aufnehmen.
  • Laut Stiftung Warentest sind viele Präparate außerdem viel zu hochdosiert – dann kommt es noch leichter zu einer Überdosierung.

Vitamine – welche lohnen sich, welche nicht?

Multivitamine: Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass die übermäßige Einnahme von Multivitaminen das Sterberisiko bei Frauen erhöhen kann.

Vitamin C: Vor allem in der Grippezeit ist Vitamin C sehr gefragt. Studien belegen aber wieder und wieder, dass Vitamin C kaum vor Erkältungen schützen kann. Eine Vitamin C- Überdosis kann übrigens Durchfall auslösen. Im schlimmsten Fall kann es zu Nierensteinen oder Zellschäden kommen.

Vitamin B3: Es gilt als das Vitamin für ein gesundes Herz. Eine Studie hat allerdings herausgefunden, dass Vitamin B3-Präparate Menschen mit einer Herzkrankheit nicht helfen. Iss besser viel Lachs und rote Beete.

Vitamin E: Dieses Vitamin soll vor Krebs schützen. Wissenschaftler konnten allerdings das Gegenteil bestätigen. Das Risiko für Prostatakrebs stieg bei Männern durch einen übermäßigen Vitamin E Konsum sogar an.

Vitamin D: Vitamin D findet sich in eher wenigen Lebensmitteln – wird aber durch Sonnenlicht produziert. Menschen, die wenig in die Sonne kommen, können einen Mangel haben. In diesem Fall kann sich ein Präparat (solange es vom Arzt verordnet wurde) lohnen.

Eine Vitamin D Überdosis kann jedoch auch zu Nierensteinen oder im schlimmsten Fall zu Nierenfunktionsstörungen führen. Also nie ohne vorherige Absprache mit einem Arzt nehmen.

Vitamin A/ Betacarotin: Hier kann es bei einer Überdosis zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit kommen. Vor allem Raucher sollten hier vorsichtig sein. Eine Langzeituntersuchung musste abgebrochen werden, dass es vermehrt zu Lungenkrebs kam. Außerdem kann schon eine leichte Überdosis pro Tag der Leber und den Knochen schaden.

Zink: Zink kann bei Erkältungen helfen, da es das Immunsystem positiv beeinflusst. Auch zur Vorbeugung kann es hilfreich sein. Eine Überdosierung kann allerdings zu Übelkeit, Durchfall führen oder die Aufnahme von anderen Spurenelementen wie Eisen verhindern.

Für wen lohnen sich welche Nahrungsergänzungsmittel?

Es gibt einige Personengruppen, bei denen Vitaminpräparate sinnvoll sind. Auch hier gilt: Über die Notwendigkeit sollte ein Arzt entscheiden.

  • Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch: Vielen Frauen wird vor und in der Schwangerschaft Folsäure verschrieben. Es verhindert bestimmte Fehlbildungen in der Frühschwangerschaft.
  • Menschen mit bestimmten Erkrankungen: Bei einer diagnostizieren Erkrankung, zum Beispiel einer Stoffwechselerkrankung, wird dein Blut wahrscheinlich regelmäßig auf Mängel getestet. Hier werden dann bestimmte Präparate verordnet.
  • Menschen mit einer Krebserkrankung: Während und nach einer Chemotherapie werden auch oft Vitaminpräparate verschrieben.
  • Dunkelhäutige Menschen, die in nördlichen Ländern leben: Je dunkler die Haut ist, desto mehr Sonnenlicht braucht der Körper, um Vitamin D zu produzieren. In nördlichen Ländern scheint die Sonne (vor allem im Winter) schwächer.
  • Vegetarierinnen oder Veganerinnen: Trotz einer veganen oder vegetarischen Ernährung kannst du alle Vitamine durch die Ernährung aufnehmen. Bei manchen Veganern kommt es aber beispielsweise zu einem Eisen- oder Vitamin B12-Mangel. Diese Vitamine müssen dann durch Tablette eingenommen werden.

Auch wenn du in keine dieser Gruppen passt, kann es natürlich sein, dass sich Nahrungsergänzungsmittel auch für dich lohnen. Solltest du dich oft müde und kränklich fühlen, kannst du mit deinem Arzt darüber sprechen. Wenn du unter einem Mangel leidest, wird er dir die richtigen Präparate verschreiben.

Ich mache viel Sport – brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?

Solange du dich ausgewogen ernährst, führt auch Sport in der Regel nicht zu Mangelerscheinungen. Viele Sportler kompensieren außerdem mit größeren Mahlzeiten.

Wenn du dich an einen bestimmten Ernährungsplan hältst und einige Lebensmittel nicht isst, könnte es bei viel Sport leichter zu einem Nährstoffmangel kommen. In diesem Fall solltest du allerdings nicht einfach Vitamin-Brausetabletten trinken, sondern mit einem Arzt oder Ernährungsexperten sprechen.

Fazit

Wenn du gesund bist und dich genug bewegst, dann brauchst du keine Vitaminpräparate – sie würden sowieso nichts nützen.

Wenn du trotzdem denkst, dass du einen Mangel haben könntest, du eine Erkrankung hast oder andere Risikofaktoren zutreffen, solltest du mit deinem Arzt sprechen. Nimm nur die Präparate, die dir dein Arzt rät. Und auch nur in der besprochenen Dosis!

Quellen