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Bin ich hochsensibel? Ein Test kann Hinweise geben

vonSonja Hagl

Hast du manchmal das Gefühl, dass du auf äußere Reize sehr empfindlich reagierst? Bist du vielleicht hochsensibel? Informationen über Hochsensibilität & ein Test zu Einschätzung.

vonSonja Hagl
© Unsplash/ Sage Friedman

Was ist Hochsensibilität?

Erstmal vorweg: Hochsensibilität ist keine Krankheit – sondern eher eine Charaktereigenschaft.

Bei Hochsensibilität – oft auch als Hochsensitivität bezeichnet – nimmt das Gehirn äußere Reize wie Gerüche, Bilder, Geräusche oder Geschmäcker starker als gewöhnlich wahr. Alltägliche Situationen wie die Arbeit, Einkaufen oder eine Party können so schnell zu einer Reizüberflutung führen. Denn eine hochsensible Person (HSP) nimmt all die Geräusche, Gerüche, usw. gleichzeitig und viel intensiver wahr.

Das ist für Betroffene mit einigen Schwierigkeiten verbunden – zum Beispiel spüren sie Schmerzen stärker oder können Hunger nicht gut aushalten. Außerdem wirken Hochsensible auf andere oft nachdenklich, in sich gekehrt oder schlecht gelaunt – das kann soziale Kontakte beeinflussen.

Aber Hochsensibilität hat nicht nur negative Seiten. Einige Betroffene sehen es als eine Begabung an, da auch Talente und andere positive Eigenschaften durch die Hochsensibilität verstärkt werden können:

  • Manche hochsensiblen Menschen bemerken auch subtile Stimmungsveränderungen bei anderen Menschen schneller und haben ein hohes Einfühlungsvermögen.
  • Hochsensible arbeiten sehr gründlich und erkennen auch kleine Fehler.
  • Auch bildhaftes Denken und ein hohes Level an Kreativität sind positive Aspekte der Hochsensitivität.
  • Sind keine äußeren Reize vorhanden (stille Atmosphäre), können sie sehr konzentriert arbeiten.
  • Hochsensible Menschen haben oft eine gute Intuition – in Kombination mit ihrer Wachsamkeit kann das dazu führen, dass ihnen weniger Unfälle

Wie fühlt sich Hochsensibilität an?

Als Nicht-Betroffener ist es schwer, sich in das Leben eines Menschen mit Hochsensitivität einzufühlen. Außerdem nimmt natürlich jeder hochsensible Mensch seine Umgebung anders war.

Wenn du als Nicht-Betroffener auf einer belebten Straße stehst, nimmst du viele Dinge gar nicht aktiv wahr. Ein hochsensibler Mensch bemerkt jedes einzelne Ding intensiv – den Straßenlärm, Gespräche von Passanten, unangenehme Gerüche oder Parfüms, Musik aus einem umliegenden Haus. All diese Dinge überanstrengen den Betroffenen vielleicht.

Wie entsteht Hochsensibilität? Ursachen

Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent aller Menschen hochsensibel. Erste Anzeichen zeigen sich oft schon im Säuglings- oder Kindheitsalter – Das spricht für dafür, dass Vererbung in diesen Fällen eine Rolle spielt.

Bei Babys zeigt sich die Hochsensitivität beispielsweise so: Sie drehen ihren Kopf von jeglichen Reizquellen wie Geräuschen weg. Eine Reizüberflutung zeigt sich oft durch anhaltendes Schreien oder Schlaflosigkeit.

Wie du Hochsensibilität bei Kindern erkennst, kannst du auch in diesem Artikel nachlesen:

Hochsensible Kinder

Jedoch können Menschen auch im Laufe ihres Lebens eine Hochsensibilität entwickeln. Wie es dazu kommt, ist jedoch noch nicht vollständig erforscht.

Bin ich hochsensibel?

Autorin Elaine Aron hat einen Hochsensibilitäts-Test entworfen. Hierbei handelt es sich um eine Liste von Aussagen über die Person und ihre Empfindungen, die zu einer Einschätzung dienen sollen.

So funktioniert es: Lies dir diese 27 Aussagen durch und überlege, ob sie auf dich teilweise/komplett zutreffen oder kaum/gar nicht zutreffen.

Wichtig: Eine 100% „Diagnose“ mit Hochsensitivität gibt dir der Test nicht – nutze ihn eher als Orientierungshilfe.

Test: Bin ich hochsensibel?

Treffen mehr als 14 der Aussagen auf dich zu, bist du laut Aron höchstwahrscheinlich hochsensibel. Auch, wenn weniger Aussagen in extremem Maße zutreffen, könntest du hochsensitiv sein.

Weitere Anzeichen für Hochsensibilität:

  • Ich verstehe Scherze oft nicht.
  • Ich bin überfordert, wenn ich mich entscheiden soll.
  • Ich fühle mich schon immer irgendwie „anders“.
  • Ich höre von anderen sehr oft Sätze wie „Du machst immer alles so kompliziert“ oder „Sei doch nicht so empfindlich“.
  • Ich bin harmoniebedürftig und meide Streit. Ich gebe schnell nach – auch, wenn ich im Recht bin.
  • Ich helfe anderen gerne – andere scheinen mir wichtiger zu sein als ich ihnen.
  • Ich nehme mir Kritik sehr zu Herzen.
  • Ich rege mich auf, wenn ich Ungerechtigkeiten oder Fehler bemerke.

Was tun, wenn man hochsensibel ist?

Wie bereits erwähnt ist Hochsensibilität keine Krankheit, sie kann aber krank machen. Wenn die Betroffenen sich um jeden Preis an ihre Umwelt anpassen wollen oder sich sehr stark isolieren, kann das zu psychischen Beschwerden führen. Angststörungen oder Burnout sind hier mögliche Folgen.

Damit es nicht dazu kommt, bedarf es für Hochsensitive ein Umdenken. Sie müssen ihr “Anders sein” akzeptieren und sich nicht nach den Standards der nicht-betroffenen Gesellschaft richten.

Hochsensible Menschen brauchen oft mehr Ruhe und mehr Zeit für sich – lerne, die Bedürfnisse deines Körpers zu erkennen und ihnen auch zu folgen. Achtsamkeit ist hier das Stichwort.

Jedoch sollten sich HSP’s auch nicht ganz zurückziehen und isolieren. Auch das ist für die mentale Gesundheit nicht förderlich. Damit vermittelst du dir selbst, dass du in der normalen Welt nicht überleben kannst. Hier gilt es, einen Mittelweg zwischen Reizüberforderung und -Unterforderung zu finden.

Lerne also, wie du mit den Reizen umgehen kannst und, welche Strategien die helfen, wenn eine Reizüberflutung droht.

Tipps, wenn eine Überreizung droht:

Elaine Aron gibt einige Tipps, was du tun kannst, wenn eine Überreizung droht.

Du kannst...

…an die frische Luft gehen.
…dich etwas bewegen.
…die Augen zumachen.
…bewusst und ruhig atmen.
…den Raum/ die Situation verlassen.
…die Muskeln gezielt entspannen.
…einen Rückzugsort aufsuchen.

Quellen

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