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Boreout – wenn Langeweile am Arbeitsplatz krank macht

Burnout ist seit einigen Jahren in aller Munde. Aber hast du schonmal das Wort Boreout gehört? Es bezeichnet den genauen Gegensatz von Burnout – die Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz. Kein Stress in JobJob hört sich vielleicht nach Luxus an – Boreout kann aber körperlich krank machen. Symptome, Anzeichen und Tipps gegen Langeweile im Job findest du hier.

© Unsplash/ Johnny Cohen


Was ist Boreout? Gibt es das wirklich?

Boreout ist ein relativ neues Kunstwort das sich von dem englischen ‚to bore‘ – als langweilen – ableitet. Das Wort bezeichnet chronische Unterforderung, Langeweile und Desinteresse am Arbeitsplatz. Menschen mit Boreout sind „ausgelangweilt“ – es geht hier also nicht um Faulheit, sondern um Unterforderung.

Du willst eigentlich arbeiten, dir werden aber keine oder nur sehr leichte Aufgaben zugeteilt. Arbeitnehmer fühlen sich dann oft wenig wertgeschätzt und verlieren sie die Lust an der Arbeit. Menschen mit Boreout haben innerlich gekündigt.

Übrigens: Laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und des Bundesinstitutes für Berufsbildung leidet etwa jeder siebte Angestellte in Deutschland unter einer dauerhaften Unterforderung.

Wo liegt der Unterschied zwischen Boreout und Burnout?

Boreout und Burnout – hört sich jetzt erst mal recht ähnlich an. Die beiden gleich klingenden Worte bezeichnen auch ein ähnliches Krankheitsbild – aber aus unterschiedlichen Gründen. Beim Burnout kommt die Erschöpfung von Überarbeitung und Anstrengung. Beim Boreout sind Unterforderung und zu wenig Arbeit die Ursachen.

Wie entsteht das Syndrom?

Arzt und Psychotherapeut Bert te Wildt erklärt Boreout gegenüber Focus Online so: „Das Problem ist eher, dass die Arbeit nicht erfüllt, keine Freude oder Sinn schenkt, sondern langweilt, etwa weil auch zu wenig Hirn und Herz gefordert wird.“


Boreout-Symptome – Langeweile kann krank machen

Obwohl sich Boreout und Burnout stark unterscheiden, sind die Symptome meistens doch recht ähnlich. Hier findest du eine keine Auswahl an möglichen Anzeichen, dass du Boreout haben könntest. Ich bin …

  • …unzufrieden in meinem Job
  • …ständig müde im Büro
  • …leide an Schlafstörungen
  • …bin oft gereizt im Arbeitsalltag
  • …fühle mich oft antriebs- und lustlos
  • …bin oft krank
  • fühle mich depressiv
  • …habe oft Magenprobleme
  • …bekomme schnell Kopf- und Rückenschmerzen


Langeweile oder doch schon Boreout?

Wenn du dir unsicher bist, ob es bei dir nur Langeweile am Arbeitsplatz oder doch schon Boreout ist, solltest du diese Fragen beantworten:

  1. Ich mache während meiner Arbeitszeit viele privaten Erledigungen und verschicke private E-Mails
  2. Ich interessiere mich nicht für meine Arbeit und fühle mich unterfordert.
  3. Ich tue so, als würde ich viel zu tun haben.
  4. Ich bin nach der Arbeit sehr erschöpft, obwohl ich kaum Stress hatte.
  5. Ich fühle mich unglücklich bei der Arbeit und sehe keinen Sinn in meiner Arbeit.
  6. Ich arbeite langsamer als eigentlich nötig.
  7. Ich würde gerne kündigen, tue es aber aus bestimmten Gründen (zum Beispiel finanziellen) nicht.

Auch wenn du viele oder alle dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, musst du nicht sofort ein Boreout haben. Rufe dir immer wieder die Definition von Boreout ins Gedächtnis. “Innerlich schon lange gekündigt!“ und „Ausgelangweilt!“. Eine Woche, in der du im Büro wenig zu tun hast und gefühlt nur Däumchen drehst, ist nicht sofort ein Boreout. Wenn du aber merkst, dass du konstant unterfordert bist oder sich gesundheitliche Symptome zeigen, solltest du etwas unternehmen.


Kann man Boreout behandeln?

Da Boreout nicht als Krankheit gilt, kann man sie nicht oder nur schlecht feststellen. Oft werden die Symptome als Burnout gedeutet. Die Behandlung bleibt letztendlich aber ähnlich: Psychotherapie und Antidepressiva. Auch für die körperlichen Symptome kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. In schlimmen Fällen – zum Beispiel, wenn der Patient keinen Ausweg mehr für seine Situation erkennen kann – kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. Das ist aber nur sehr selten der Fall.

Warum kündigen Betroffene nicht einfach?

Für Außenstehende wird das Boreout oft als Luxus-Problem gesehen. Sie hätten viel lieber Langeweile am Arbeitsplatz als konstanten Stress. „Wenn dir die Langeweile so zu schaffen macht, wieso kündigst du dann nicht einfach?“ ist eine Frage, die Betroffene oft zu hören bekommen.

Aber einfach so kündigen ist oft nicht möglich. Menschen sind auf das Gehalt oder andere Vorteile der Stelle angewiesen. Oder sie fürchten, keine bessere Stelle finden zu können. In vielen Fällen überwiegt die Angst vor Veränderungen.

Zu Hause bleiben? Lieber nicht...

Was kann ich als Betroffener tun?

Wenn du dauerhaft unterfordert bist und dich oft am Arbeitsplatz langweilst, solltest du das Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen. Das kann dich auch etwas Überwindung kosten: Denn niemand gibt gerne vorm eigenen Chef zu, dass der Job einen langweilt. Wenn du vor deinem Chef aber so tust, als wärst du immer beschäftigt und zufrieden, wird sich die Situation nicht ändern.

Wenn sich trotz eines Gesprächs nichts ändert und Symptome dich stark belasten, solltest du über einen Stellenwechsel nachdenken. Du musst nicht sofort kündigen – schau dich doch einfach mal nach anderen Jobs um.

Du kannst weder kündigen noch hat ein Gespräch Abhilfe geschaffen? Dann sorge zumindest für Ausgleich in der Freizeit. Neue Hobbys, vielleicht eine Weiterbildung, das Lernen einer Sprache können einer Abwärtspirale entgegenwirken.

Quellen