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Corona: “In vier Wochen so viele Suizidversuche wie sonst in einem Jahr.”

Experten haben seit dem Beginn der Corona-Pandemie davor gewarnt, dass die Anzahl der Suizide durch das Virus und die damit verbundenen Maßnahmen stark ansteigen wird. Jetzt gibt es konkrete Zahlen und Prognosen.

Mehr Tote durch Suizid als durch das Coronavirus?
Mehr Tote durch Suizid als durch das Coronavirus?
© Pexels/ Kat Jayne

Mehr Suizide durch Corona-Lockdown

Weltweit hat das Coronavirus schon mehr als 340.000 Tote gefordert (Stand: 26. Mai 2020) – in Amerika allein sind schon fast 100.000 Menschen an den direkten Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Jedoch könnten indirekte Folgen auch sehr viele Leben fordern. Isolation, Vereinsamung, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste können vehemente Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Menschen haben.

Eine aktuelle Studie der US-Organisation „Well Being Trust“ hat sich mit diesen psychischen Folgen von Corona und den Corona-Maßnahmen beschäftigt. Laut der Studie könnten die Corona-Maßnahmen in den USA zu mehr Alkohol- und Drogenmissbrauch, sowie zu mehr Suiziden führen. Aktuell wird mit bis zu 75.000 Toten allein in Amerika gerechnet.

Mehr Tote durch Suizid als durch das Coronavirus

Dass die Isolation folgen auf die Psyche hat, zeigt jetzt schon die Stadt Walnut Creek in San Franzisco. Der amerikanische Nachrichtensender ABC bereichtet, dass während der Corona-Beschränkungen schon mehr Suizide gezählt wurden, als Corona-Tote.

ABC zitiert Dr. Mike deBoisblanc, den Leiter der Notaufnahme des John Muir Medical Centers, so: „Wir haben noch nie Zahlen wie diese in so kurzer Zeit gesehen. Wir haben in vier Wochen so viele Suizidversuche wie sonst in einem Jahr.”

Seine Kollegin Pflegerin Kacey Hansen teilt die Besorgnis von „Soziale Isolation hat einen Preis. Das habe ich von Beginn an gewusst. Aber der Preis ist viel höher, als ich befürchtet hatte.“

Sind die Ausgangssperren dafür verantwortlich?

Sowohl Hansen als auch deBoisblanc sehen den Grund für die steigenden Suizidraten in Stress, Isolation und Arbeitsplatzverlust durch Corona.

Vor allem die strenge „Shelter-in-Place“-Politik und Amerika sollte ihnen zufolge gelockert werden:

„[…] ursprünglich wurde diese ‚Shelter-in-Place‘-Ordnung eingeführt, um die Kurve abzuflachen und sicherzustellen, dass die Krankenhäuser die Ressourcen haben, um Covid-Patienten zu versorgen. Jetzt haben wir die benötigten Ressourcen, um das zu tun, aber die Gesundheit unserer Gemeinde leidet darunter“, erklärt deBoisblanc.

Die Situation in Deutschland: Suizide während Corona

Die Augsburger Allgemeine bezieht sich auf eine Statistik des Bayrischen Landeskriminalamts, laut der sich zwischen dem ersten und dem 23. April 104 Menschen das Leben genommen haben. Im Vorjahr waren es 100 Menschen – hier sind also keine Anstiege zu erkennen. Betrachtet man den März, ist im Vergleich zu 2019 sogar ein Rückgang festzustellen. Von 144 Suiziden im Jahr 2010 auf 135 in 2020.

Dass die Suizid-Rate in Deutschland nicht gestiegen ist, bedeutet aber nicht, dass sich die Corona-Maßnahmen nicht auf die Psyche auswirken kann und wird. Frühere Krisen, wie die Sars-Epidemie in Hongkong oder die Spanische Grippe in Amerika legen nahe, dass in Folge einer Pandemie mehr Menschen mit psychischen Problemen umgehen müssen und auch die Anzahl der Suizidversuche und tatsächlichen Suizide steigt.

Wie sich die Situation in Deutschland weiterentwickelt, wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Depression und Ängste: Hier findest du Hilfe

Auf der Webseite der deutschen Depressionshilfe findest du eine große Auswahl an Hilfsangeboten. Hier außerdem einige wichtige Nummern und Seiten:

  • deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
  • Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 (kostenfrei)

Quellen