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Depressionen erkennen: Anzeichen und Hilfe

An manchen Tagen fühlen wir uns so deprimiert, dass nichts uns aufheitern kann und wir nur schlapp und müde auf der Couch hängen. Auch wenn ein solches Stimmungstief im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Depression bezeichnet wird – solche Phasen erlebt jeder einmal und sind mit einer Depression im medizinischen Sinn nicht zu vergleichen.

Depression: eine typische Frauenkrankheit?
Depression: eine typische Frauenkrankheit?
© Unsplash/ Megan te Boekhorst

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Entgegen solch vorübergehender Phasen der Niedergeschlagenheit ist eine Depression eine ernsthafte Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der betroffenen Person beeinflusst und häufig auch mit körperlichen Beeinträchtigungen einhergeht. Schätzungen zufolge leiden 5 % aller Deutschen, also rund 4 Millionen Menschen, an der psychischen Erkrankung, die jeden – unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status – treffen kann.

Mögliche erste Anzeichen einer Depression

Häufig gehen einer Depression Anzeichen voraus, die auch auf andere Erkrankungen hindeuten könnten wie ständige Müdigkeit und Antriebslosigkeit, unspezifische Kopf- und Bauchschmerzen, Reizbarkeit, schlechte Stimmung oder nachlassendes sexuelles Interesse und Schlafstörungen. Diese Frühsymptome können ohne besonderen Anlass auftreten und sich über mehrere Wochen und Monate zu einer depressiven Episode entwickeln.

Betroffene können ihr schlechtes Befinden anfänglich selten einordnen und sind sich nicht im Klaren, dass es sich um eine psychische Erkrankung handeln könnte. Viele verdrängen die Beschwerden oder gehen aus Scham nicht zum Arzt.

Typische Symptome

Nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 gelten als Hauptsymptome einer Depression eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung, der Verlust des Interesses an Hobbys, Beruf und Aktivitäten mit Familie und Freunden sowie mangelnder Antrieb mit schneller Ermüdung. Betroffene müssen sich zu allem zwingen, selbst einfachsten Tätigkeiten wie Einkaufen oder Körperpflege.

Kommen zu zwei Hauptsymptomen noch zwei weitere der folgenden Zusatzsymptome über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen hinzu, kann das ein Hinweis auf eine Depression sein. Zu häufigen Zusatzsymptomen zählen Experten

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • vermindertes Selbstwertgefühl und wenig Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • negative und pessimistische Vorstellungen von der Zukunft
  • Suizidgedanken oder -handlungen
  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen

Meist ist die Depression nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen, sondern eine Kombination mehrerer Faktoren. Dabei können als Auslöser traumatische Erlebnisse, chronische Überlastung und andere psychosoziale Aspekte ebenso zum Tragen kommen wie neurobiologische Aspekte wie z.B. Vererbung, ein Ungleichgewicht der Botenstoffe in bestimmten Hirnregionen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten.

Frauen erkranken häufiger an Depressionen

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass etwa doppelt so viele Frauen wie Männer von depressiven Störungen betroffen sind. Das zeichnet sich schon im jugendlichen Alter bei Eintritt in die Pubertät ab und schlägt sich auch im Arbeitsleben nieder. Frauen haben im Geschlechtervergleich mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen und erhalten weitaus mehr Verordnungen für Antidepressiva. Grund dafür kann der unterschiedliche Umgang mit psychischem Stress sein. Zudem kann die Doppelbelastung von Kindererziehung und Beruf gepaart mit dem Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, psychische Erkrankungen begünstigen.

Auch von saisonalen Depressionen, Seasonal Affective Orders oder kurz SAD, die überwiegend im Herbst und Winter auftreten, sind Frauen stärker betroffen. Zwar äußert sich die Winterdepression in unseren Breitengraden häufig nur in leichter Form, bei fünf Prozent der Einwohner kommt es jedoch zu depressiven Episoden mit ausgeprägten Beschwerden.

Veränderter Hormonhaushalt als Ursache?

Veränderungen im Hormonsystem sind nicht zwingend die Ursache einer Depression, können jedoch daran beteiligt sein. Viele Frauen klagen während der zweiten Zyklushälfte und in den Wechseljahren über Stimmungsschwankungen, die teilweise in depressiven Phasen münden.

Unter einer depressiven Erkrankung leiden zudem 10 bis 15 % aller Mütter nach der Geburt eines Kindes. Im Gegensatz zum „Baby Blues“, einer vorübergehenden depressiven Verstimmung in der ersten Woche nach der Entbindung, ist die Wochenbettdepression eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die länger anhält.

Diese Postpartale Depression geht mit einer übermäßigen Sorge um das Kind, Versagensängsten als Mutter und der Unfähigkeit, positive Gefühle für das Baby zu entwickeln, einher. Als Auslöser können zusätzlich Faktoren wie z.B. Schwangerschaftskomplikationen, die starke Veränderung des Lebensrhythmus, ein verklärtes Mutter-Kind-Image oder Veränderungen in der Partnerbeziehung zusammenwirken.

Hilfe bei Depressionen

Bei Depressionen oder einem Verdacht auf die Krankheit ist das Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen unverzichtbar. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der Betroffene an einen Spezialisten überweist. Abhängig von der Art und Schwere der Erkrankungen entscheidet der Facharzt gemeinsam mit dem Patienten über die geeignete Therapieform und die weiteren Schritte der Behandlung.

Ergänzend für alle Fragen zu depressiven Erkrankungen und regionalen Anlaufstellen steht das Info-Telefon Depression unter 0800/33 44 533 bereit.

Ausführliche Informationen zum Thema Depression liefert unter anderem die Deutsche DepressionsLiga e.V. Die deutschlandweit aktive Patientenvertretung ist eine reine Betroffenenorganisation, die depressiv Erkrankten und Angehörigen neben Email- und Telefonberatung u.a. mit Adressen regionaler Selbsthilfegruppen und Kliniken weiterhilft.

Zur Vorbeugung und einem besseren Umgang mit depressiven Beschwerden wurde das Selbsthilfe-Programm MoodGym entwickelt. Das Online-Tool ist kostenfrei und anonym.

Zahlreiche Betroffene kommen mit ihren eigenen Erfahrungen im Umgang mit Depression bei einem interaktiven Film- und Medienprojekt zu Wort. „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“ will Depression eine Stimme geben und informiert mit persönlichen Videosequenzen über verschiedenste Aspekte der Erkrankung.

Quellen