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Wie fühlt sich ein Scheidenkrampf an? Und was kann ich tun?

Wenn sich die Scheide schmerzhaft verspannt und verkrampft, spricht man von Vaginismus, Wie genau es zu einem Scheidenkrampf kommt und, was du dagegen tun kannst, liest du hier.

Hilfreiche Tipps bei einem Scheidenkrampf
Hilfreiche Tipps bei einem Scheidenkrampf
© Unsplash/ Craig Whitehead

Was passiert bei einem Scheidenkrampf?

Bei Frauen, die unter Vaginismus leiden, verspannt sich unwillkürlich die Muskulatur im unteren Bereich der Vagina, sobald ein Fremdkörper – also Finger, Penis, Tampon oder Ähnliches – eingeführt werden soll. Durch diese Reaktion erscheint der Scheideneingang wie verschlossen.

Wie fühlt sich ein Scheidenkrampf an?

Die Muskulatur der Vagina verkrampft sich bei einigen Frauen so extrem, dass Gegenstände, Finger oder der Penis des Partners nicht oder nur unter sehr großen Schmerzen eingeführt werden können.

Grundsätzlich werden zwei Arten von Vaginismus unterschieden:

  1. Primärer Vaginismus: Diese Art besteht schon von Geburt an. Oft war Sex für diese Frauen nie oder nur unter großen Schmerzen möglich. Meistens wird ein primärer Vaginismus in der Pubertät entdeckt.
  2. Sekundärer Vaginismus: Hier ist ein bestimmtes Erlebnis der Auslöser für die wiederkehrenden Scheidenkrämpfe. Meistens handelt es sich dabei um ein Geburtstrauma oder sexuellen Missbrauch. Der Scheidenkrampf ist in diesem Fall eine psychische Abwehrreaktion des Körpers, der durch Ängste ausgelöst wird.

Neben dem Vaginismus gibt es übrigens auch noch die sogenannte Vulvodynie – beide Erkrankungen können auch miteinander auftreten. Die Symptome sind sehr ähnlich, allerdings Verkrampfen sich bei der Vulvodynie die Schamlippen statt der Scheide.

Mögliche Ursachen für Vaginismus

Meistens sind psychische Auslöser für die sexuelle Funktionsstörung verantwortlich. Die Ursachen können sich aber von Frau zu Frau unterscheiden:

  • Organische Ursachen: Sehr selten kann es vorkommen, dass bestimmte Teile des Intimbereichs anders ausgebildet sind – sie sind dann zum Beispiel enger. Dadurch kann ein Scheidenkrampf entstehen.
  • Angst vor Schmerzen oder Verletzungen: Auch die Angst, dass sein Penis zum Beispiel nicht in die Vagina passt, kann zu starken Verkrampfungen führen.
  • Traumatische Erlebnisse: Beispielsweise Missbrauch oder eine schmerzhafte Untersuchung beim Frauenarzt.
  • Geburtsverletzungen, Narben und Tumore: Bei komplizierten Geburten, wie einer Saugglockengeburt, oder nach operativen Eingriffen kann es zu Narbenbildung kommen und so den Intimbereich verändern. Auch hier kann es durch die Veränderungen zu Scheidenkrämpfen kommen.
  • Hormonveränderungen in den Wechseljahren: In den Wechseljahren werden die Schleimhäute im Intimbereich mit weniger Hormonen versorgt. Das führt dazu, dass sie austrocken. Das kann zu einem unangenehmen Gefühl beim Sex führen und so die Beschwerden auslösen.
  • Erkrankungen im Intimbereich: Auch Erkrankungen können ein möglicher Auslöser sein. Eine Blasenentzündung oder Geschlechtskrankheiten sind Beispiele für solche Erkrankungen.
  • Medikamente und Verhütungsmittel: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, sowie einige Medikamente können Krampfreaktionen auslösen – diese Krämpfe können auch in der Scheide vorkommen.

Wie kann man den Scheidenkrampf behandeln?

Erstmal vorweg: Vaginismus kann behandelt werden!

Wie die Behandlung verläuft, ist aber abhängig von den Ursachen der Funktionsstörung. Um diese zu ergründen, ist ein offenes Gespräch mit dem Arzt wichtig – nur so kann die richtige Therapie gefunden werden.

Organische Auslöser können oft schnell behandelt werden – beispielsweise durch den Wechsel des Verhütungsmittels oder die Versorgung von Verletzungen und Narben. Bei Verwachsungen der Scheide kann manchmal auch eine Operation notwendig sein.

Wenn jedoch psychische Probleme die Ursache sind, werden oft psychotherapeutische Maßnahmen notwendig. Auch hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten:

  • Paartherapie
  • Traumatherapie
  • Gesprächstherapie
  • Verhaltenstherapie

Sprich hierfür einfach mit deinem Arzt, er wird dich an die richtigen Stellen weiterleiten.

Es gibt auch einige Dinge, die du schon zu Hause tun kannst, um die Symptome etwas zu lindern. Natürlich sind diese Maßnahmen nur ergänzend und sollten nie eine medizinische Therapie ersetzen!

Das kann gegen die Beschwerden helfen

#1 Gespräch (mit dem Partner)

Manchmal kann es hilfreich sein, mit jemandem über die Problematik zu sprechen. Das kann der eigene Partner, aber auch eine beste Freundin sein.

Klar, das ist nicht immer leicht, aber vor allem das Gespräch mit deinem Partner kann dir einiges an Anspannung nehmen. Dann könnt ihr zusammen das weitere Vorgehen besprechen und andere Maßnahmen treffen – vielleicht gibt dein Partner dir eine entspannende Massage oder ihr hört ruhige Musik beim Sex.

#2 Entspannungstechniken

Yoga oder Meditation sind bewährte Entspannungstechniken, die dir auch bei Vaginismus helfen können. Wenn du im Alltag entspannter bist, kann sich das positiv auswirken.

#3 Beckenbodentraining

Übungen, die die Beckenbodenmuskulatur trainieren, werden Frauen bei Scheidenkrämpfen oft empfohlen.

#4 Warme Bäder/ Sitzbäder

Warme Bäder oder Sitzbäder entspannen deine Beckenbodenmuskulatur. Heilkräuter wie Heublumen gelten als besonders wirkungsvoller Badezusatz, da sie krampflösend wirken.

#5 Vagina dehnen

Diesen Schritt solltest du erst tun, wenn du dich dafür wirklich bereit fühlst. Mit deinem Finger, einem Vaginaldehner, oder einem kleinen Dildo kannst du deine Vagina langsam dehnen und dich an das Gefühl gewöhnen.

Benutze hierfür etwas Gleitgel oder Öl und achte darauf, dass du entspannt bist. Solltest du dich unwohl fühlen, probiere es einfach ein anders Mal aus. Langsam kannst du dann auf größere Modelle umsteigen.

Benutze aber bitte immer nur Gegenstände, die auch für den Intimbereich geeignet sind!

#6 Masturbiere

Selbstbefriedigung entspannt die Muskeln und hält deine Schleimhäute feucht. Hier gilt allerdings auch: Zwinge dich zu nichts. Damit Masturbation auch Spaß macht, solltest du auch sexuelle Lust verspüren. Ist das nicht der Fall, wird es nur eine unangenehme Erfahrung.

Du bist nicht allein!

Vaginismus kann für Frauen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastend sein. Vor allem, wenn du mit keinem über deine Probleme und Beschwerden reden kannst oder willst.

Laut Schätzungen und Umfragen sollen in Deutschland bis zu 30 Prozent der Mädchen und Frauen an einer Form von Vaginismus leiden. Da viele Frauen mit ihren Beschwerden jedoch keine Therapie aufsuchen oder sie nicht die richtige Diagnose bekommen, gibt es keine genauen Zahlen.

Denke also immer daran: Du bist mit deinen Beschwerden nicht alleine!

Quellen