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Wer viel Sex hat, kommt später in die Wechseljahre?

Regelmäßiger Geschlechtsverkehr soll bei Frauen zu einer späteren Menopause führen können. Das hat eine britische Studie jetzt herausgefunden. Alle Infos.

Öfter Sex – spätere Wechseljahre? Stimmt das?
Öfter Sex – spätere Wechseljahre? Stimmt das?
© Unsplash/ marcos mayer

Öfter Sex – spätere Wechseljahre?

Forscher vom University College London haben jetzt herausgefunden, dass das Sexualleben Einfluss auf die Menopause haben könnte. Laut dem Forschungsteam ist die Chance für eine frühe Menopause bei Frauen, die mindestens einmal wöchentlich sexuell aktiv sind, um rund 28 Prozent geringer. Frauen, die nur einmal im Monat sexuell aktiv sind, sinkt die Chance auf 19 Prozent.

Sexuell aktiv bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens nicht nur Geschlechtsverkehr, sondern auch für andere sexuelle Aktivitäten wie

  • Oralsex,
  • Selbstbefriedigung,
  • Knutschen,
  • und andere stimulierende Berührungen

US-Studie: Verknüpfung von Liebesleben und Menopause

Studienautorinnen Megan Arnot und Ruth Mace erklären, wie diese Hypothesen entstanden sind. Das Forschungsteam analysierte eine US-Studie aus dem Jahr 1996, in der 3000 Frauen im Durchschnittsalter von 45 Jahren über zehn Jahre lang zum Thema Frauengesundheit untersucht wurden. Die Forscher werteten für die neue Untersuchung Kriterien wie Östrogenspiegel, Gewicht, Gesundheit, Bildung und sexuelle Aktivität aus. Ziel: einen Zusammenhang zwischen bestimmten Verhalten und dem Einsetzen der Wechseljahre herstellen.

Das Ergebnis: Die Frauen waren im Durchschnitt 52 Jahre alt, wenn die Wechseljahre einsetzen. Bei Frauen, die sexuell sehr aktiv waren, lies die Menopause länger auf sich warten.

Megan Arnot interpretiert die Ergebnisse so:

Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass bei einer Frau, die keinen Sex hat und so auch nicht schwanger werden kann, der Körper nicht mehr in den Eisprung investiert, was keinen Sinn mehr hätte.

Damit passen die Studie zur sogenannten Großmutter-Hypothese.

Die Großmutter-Hypothese

Die sogenannte Großmutter-Hypothese besagt, dass die Menopause entsteht, damit sich Frauen um ihre Kinder und Enkel kümmern können. Bei langer sexueller Inaktivität erkennt der Körper also, dass eine Schwangerschaft unwahrscheinlich wird – der Körper stoppt also die Menstruation, da so Energie eingespart werden kann.

Laut der Hypothese können Frauen in den Wechseljahren die eigene Fitness steigern und sich dann länger um ihre Kinder und Enkelkinder kümmern.

Kritik an der Studie

Gynäkologin Anneliese Schwenkhagen, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Vorstandsmitglied der Deutschen Menopause Gesellschaft, übt gegenüber dem Tagesspiegel Kritik an der Studie. Der Eintritt der Wechseljahre ist abhängig von der Zahl und der Qualität der Eizellen – und nicht von der sexuellen Aktivität. „Dass die Sexualität ganz am Ende der langen Reproduktionsphase so einen starken Effekt haben soll, scheint mir sehr unwahrscheinlich“, erklärt Schwenkhagen.

Auch die Studienautorinnen erklären, dass Verbindung zwischen Sex und den Wechseljahren viel komplexer ist:

Es gibt möglicherweise eine gegenseitige Beziehung zwischen der körperlichen Verfassung einer Frau, die sich der Menopause nähert, und ihrem sexuellen Engagement.

Ein sinkender Östrogenspiegel vor dem Eintreten der Wechseljahre kann beispielweise ein Grund für Scheidentrockenheit sein. Das wiederum kann Sex unangenehm machen. Deswegen haben Frauen in der Zeit vor den Wechseljahren vielleicht auch weniger Geschlechtsverkehr. Das würde bedeuten, dass nicht Sex die Wechseljahre beeinflussen, sondern die Wechseljahre die sexuelle Aktivität beeinflussen.